Archive for the ‘Walcker Pfeifen’ Category

Dolce 8′ versus Viola d Gamba

Sonntag, Februar 5th, 2012

Von der Dolce 8′ des I.Manuals (von Hauptwerk mag man bei fünf Registern kaum sprechen) waren überraschend viele Pfeifen vorhanden. Und zwar gab es von c-a4 nur eine fehlende Pfeife und leider die große Oktave C-H mussten wir gegen ein Gedackt aus unserem Bestand auffüllen.

Werkbuch Walcker „op.1668 Cairo“

werkbuch.jpg

Die größte Überraschung aber war der Klang dieser Dolce.

Zunächst der Hinweis, dass bei konisch gestalteten Pfeifenformen versucht wird ungeradzahlige Teiltöne zu fabrizieren, das ist bei Gemshorn und Dolce zweifellos der 5te Teilton, die Terz, welche je nach Winkel dieses Konus stärker oder weniger stark in Erscheinung tritt.

Hier bei dieser Dolce also, wo ohnehin die „dulce-Süße“ im Vordergrund steht, die Klangstärke also erheblich reduziert ist, bewirkt dieser schwache Terzton ein unerhört feines, hintergründiges Raunen, das an ein durchschlagendes Register erinnert; aber eben nur „erinnert“, denn jedes „Forschergehör“, das nicht vom romantischen „In-sich-selbst-Gestalten“ inspiriert ist, wird wie unsere deutschen Neobarokkos gezeigt haben, sich einen Dorn in die Hand nehmen und die Fußlöcher erst mal auf „ordentliches“ Maß aufdrehen, damit man überhaupt einen Grundton wahrnimmt.

Da haben wir hier in Kairo Glück gehabt, von drei, vier Pfeifen abgesehen, waren alle Pfeifen beanstandungslos. Manche Stimmvorrichtung musste nachgelötet werden, mancher Pfeifenkörper wurde rundiert, aber der Klang, der hat auf dieser Hängebälglade eine Qualität, wie ich sie noch nie vorher gehört habe und ich konnte mich kaum vom Spieltisch mehr losreißen,

Die Gambe 8′ des Schwellwerks haben wir seit Weihnachten spielbar und es war schon erstaunlich welcher gewaltige Lautstärke die beiden Register unterschied. Wunderschön das Zusammenspiel mit rechter Hand auf  Gambe und linker Begleitung mit der Dolce. Das kann ich mangels Organistenausbildung Ihnen hier nicht in entsprechender Qualität zeigen: aber es ist versprochen demnächst es nachzuholen.

dolce01_fussloch_c1.jpg   dolce01_pfeifen0.jpg  dolce01_fussloch_c2.jpg   dolce01_raster.jpg   dolce01_pfeifen2.jpg

und hier das Video, welches wir für diesen Zweck in Kairo gemacht haben, während draußen, drunten und drüber Revolutionsgeschrei die Stadt erfüllte:

gerhard@walcker.com  05.02.2012

Ungewöhnliche Pfeifenformen in der Walcker-Orgel Op.3642 in Berlin-Matthäuskirche

Samstag, März 12th, 2011

Die Orgel der Berliner Matthäuskirche wurde 1958 unter der Opuszahl 3642 gebaut mit II/41.

Die Dispo ist nachfolgend:

 

 3642_dispot.jpg

 

Es handelt sich bei der Orgel um eine Dispo-Mensuren Gestaltung des Gelehrtenteams Schulze-Kühn aus Berlin, die ein typisches Kind ihrer  Zeit war, mit dem Hintergedanken, durch synthetische Teiltöne möglichst das gesamte Farbspektrum der Orgel abzudecken. Eigentlich eine  typisch nachmoderne Idee, die allerdings vernachlässigt, dass „warmer Klang“ nicht unbedingt ein synthetisches Konstrukt aus vielen kleinen Pfeifen ist, sondern hier auch das Geräusch der großen Brummer eine Rolle spielt, und am Ende auch das irrationale Gefühl mit eine Rolle spielt. Womit wir wieder bei der Romantik wären.

Dennoch sind hier interessante Gedanken enthalten, die ich mit einigen Mensuren Maßen aufzeigen will.

Zunächst erkennen wir an der Disposition, dass die ungeradzahligen Teiltöne, wie Terz und Septime als Teiltöne des tiefsten Grundtons genannt sind. 16/5′ = 3 1/5′ (man teilt einfach den Zähler durch den Nenner), am Zähler 16 erkennen wir, dass es ein Teilton des 16′ ist, während die Quinte 8/3′ ein Teilton des 8′ ist und 2 2/3′ Länge hat. Der Nenner sagt immer aus, um den wievielte Partialton (1/16‘ sagt uns, der 16.te Teilton des 1Fuß)

Der Gedanke ist nun, dass das Prinzipalplenum möglichst vollständig sein muss und die Teiltöne 16/5 und 16/7 zur Dunkelfärbung des Plenums beitragen sollen bzw. ein Grand-Cornett gebildet werden kann. Ich habe allerdings Bedenken, dass dies bei dieser Orgel so flott und einfach funktioniert, da mir die Mensuren vorliegen, die das nicht unbedingt versprechen.

Das II.Manual nun soll als helleres Gegenklavier funktionieren und Erfüllung von Aufgaben mit Solo- und Farbfunktionen.

Das Problem bei solchen Orgelkonstruktionen stellt sich, wenn es um die synthetische Bindung der Teiltöne zum Grundton geht. Ein Trompetenton zum Beispiel, hat immer einen gesunden Grundton 8/1, einen starken zweiten Partialton 8/2, eine zurückhaltenden 8/3 Quinte und mindestens einen gut hörbaren 8/5, also eine Terz. Dazu kommt aber etwas, das nicht über die Teiltöne konstruiert werden kann, nämlich die Sägezahnschwingung, die im Gegensatz zur Labialpfeife nur bei den Zungenpfeifen erzeugt wird. Dies wird bewirkt durch das Aufschlagen der Zunge auf die Kehle, hier bricht die Schwingung im Zungenpfeifenkörper radikal ab und beginnt von vorne. Man kann also nicht alle Farben und Klangfaktoren synthetisch durch Aliquotpfeifen erzeugen. Dazu kommt das Geräusch und die verschiedenen Anblastechniken bei mehreren Teiltonpfeifen. All das und noch mehr hat uns gezeigt, dass sowohl die synthetische Klangerzeugung über Zugabe von Pfeifen genauso wenig Erfolg verspricht, wie die ohnehin erfolglose Synthetisierung mit elektronischen Mitteln.

Die Pauke, bestehend aus den Tönen D, G und A im mittleren Turm dieser Orgel, dürfte als reines Effektregister ihre beschränkte Tauglichkeit beim Musizieren haben.

 

 

 3642_prospekt.jpg

 

Wir haben hier auf dem nachfolgenden Bild die Septime 16/7’= 2 2/7′ (als 7ter Teilton des 16′) Das Register ist sehr weit (C= 142,5mm Lab 1/20 weiter oben  1/8)  und dürfte durch die wahnsinnig schmale Labierung nur sehr zart sich einmischen.

Bei der konischen Terz 16/5′ = 3 1/5′, die dann zylinderförmig fortsetzt, haben wir beim C= 133 x 44mm und eine Labierung von 1/20.

Die Flute à pavillon 2′ hat beim C=35mm und der obere Aufsatz ist auf 55mm geweitet, die Labierung liegt bei moderaten 4,5 Teile.

Die Mollterz 128/77′ = 1 5/7′ glänzt mit sagenhaften 101mm auf 33,5mm und einer Labierung von 1/17 auf.

 

 3642_pfeife02.jpg

Erwähnenswert scheint mir noch die geplante (oder auch ausgeführte) Zusammensetzung eines Aliqout 2fach mit folgender Zusammensetzung:

 

C-H

2/5′

1/5′

c-h

4/5

2/5

c‘

8/5

4/5

c“

16/5

8/5

C3

32/5

16/5

 

 und erwähnenswert ist noch die hier eingebaute kubische Pfeife, am nachfolgenden Foto sieht man ein C und eine kleine am Boden, leider habe ich hierzu noch nicht die Maße gefunden:

 

 3642_pfeife01.jpg

 

 gewalcker@t-online.de

 

 

Walcker-Zungen der späten Orgelbewegung

Donnerstag, Februar 17th, 2011

Ein 4Seiten-Blatt über Zungenregister, wohl herausgebracht um 1950, hat uns Lehrlinge bei Walcker sehr interessiert.

Es waren die verschiedenen Becherformen von Zungenpfeifen und die Beschreibung der Klänge. Auch geht daraus hervor, dass man bei Walcker, mit Sicherheit auf Initiative Oscar Walckers, bei den Zungen mehr am englischen Orgelbau orientiert war (zumindest bei der Oboe) als bei den Franzosen. Heute ist sowieso abzusehen, bis wann derZeitpunkt kommen wird, wo man all die nachgemachten Cavaillé-Zungen nicht mehr hören kann, und auf feinere Hörgewohnheiten zurückgreift.

Hier also das 4seitige Dokument:

blatt01.jpg

blatt02.jpg

blatt03.jpg

blatt04.jpg

gwm

Die Prospektpfeifen in Rom St Cecilia – Geigenprincipal

Dienstag, August 3rd, 2010

Dieses Thema werden wir wohl nicht mit einem einzigen Blog komplett abhandeln können.

Wie jeder schnell ermessen kann, haben wir hier in St.Cecilia eine sehr große Anzahl an Pfeifen im Prospekt. Darunter befinden sich originale Walcker-Pfeifen aus 1892, denen dieser Blog gewidmet ist.

Hier zunächst das Prospektbild, als diese Orgel von Walcker 1894 von Walcker mit 32 Register eingebaut wurde:

0536_rom_cecilia_alter-prospekt.jpg

Eine sehr einfache, schöne Gestaltung, die mit Sicherheit an römischer Baukunst orientiert ist und mit dieser historisierender Art vielleicht sogar von römischen Meistern gefertigt wurde. Der Prospekt ist dreiteilig. In der Mitte das Feld in dem einige Pfeifen des Geigenprincipal 8′ des II.Manuals sich befinden. Dieser ist allerdings in der Disposition nur als Principal deklariert. Wir sehen, dass die Labien im mittleren Teil gerade verlaufen, in den beiden äußeren Feldern leicht gebrochen ablaufen. Alle Labien sind rund.

Beim Neubau der Orgel im Jahre 1972-74 wurde vor dem Walcker-Prospekt ein neuer zusätzlicher Prospekt gebaut wurde(an bisherige Stelle des Prospektes, während der Walcker-Prospekt nach oben hinter den neuen Prospekt mit Spitzlabien gestellt wurde) und rechts und links Zubauten mit großen Pedalpfeifen, wie man das auf diesem Foto sehen kann. (Ausbau des mittleren Prospektes – hier also werden die Walcker-Pfeifen gerade ausgebaut).

abbau.jpg

Wie bei Walcker üblich haben sich die Pfeifenmacher auf Prospektpfeifen immer verewigt.

geigenprincipal.jpg

Außerdem haben wir eine eindeutige Markierung die das belegt, ebenfalls auf dem oberen Foto zu sehen.

Das Pfeifenmaterial ist extrem weich, kleinster Druck ergibt sofort unschöne Dallen, auch die Füße sind stark deformiert.

geigenprincipal3.jpg

Hier eine nähere Ansicht des Labiums, woran man erkennt, dass die Bärte stark zurückg gestutzt wurden. Interessant auch die Art und Weise, wie die Kernstiche gesetzt wurden. Die Fußlöcher sind auf Grund des jetzt vorliegenden geringen Winddruck erheblich aufgemacht worden.

geigenprincipal2.jpg

Hier das Meer der anstehenden Pfeifen – das ist noch nicht einmal die Hälfte aller Prospektpfeifen:

geigenprincipal4.jpg  prospektpfeifen_.jpg

da heisst es nur noch : drücken, drücken und nochmals drückenzoltan_repairs.jpg

gwm

Dulciana 8′, in Tomintoul, die zarteste Versuchung seit es Walcker gibt

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Die Dulciana 8′ ist wohl eines der typischsten Register der Spätromantik. Zumindest wollen wir von keiner spätromantischen Orgel etwas hören, wenn nicht diese Dulciana. (sorry Mr. Hill)

dulci04.jpg

  • Unheimlich schön ist sie in der Walcker-Orgel in Tomintoul aus 1903, wo dieses Register mit Vox céleste 8′ (ab c und etwas höher gestimmt in Schwebung zur Dulciana) und  einer hauchzarten Flöte 4′ in einem Schwellkasten steht, der mit Knieschweller betätigt wird, was ein fantastisches Erlebnis ist.
  • Für den Orgelstimmer aber ein Problem darstellt, da eine Menge schwerer Bourdonpfeifen erst zur Seite geschleppt werden müssen.
  • Ich schreibe absichtlich in Schwebung zur Dulciana  ist diese fast identisch mensurierte und einen kleinen Kick schwächer intonierte Vox céleste 8′ gestimmt.Weil diese 8-Füsser sich auf der Kegellade so stark anziehen, dass man sie zweimal stimmen muss: einmal mit dem Principal, hier Diapason 8′ und dann nochmal in sich selbst also C-c-c1 etc.. Tut man das nicht, wird man sich wundern, dass nach erfolgter Stimmarbeit immer noch innerhalb der Oktaven Schwebungen zu vernehmen sind.
  • Aus diesem Grund ist die in Schwebung gestimmte Vox céleste nicht immer zwangsläufig in Schwebung zu allen anderen Registern gestimmt.
  • Der Schweller dieser Orgel ist eine großartige Angelegenheit: spielt man nach Principal oder Clarabella eines der drei Registers, so ist es als würde sich ein weit entferntes Fernwerk bemerkbar machen. Ätherischer Schleier, zarteste Andeutungen, und genau diese feinen Stimmen, die kaum für einen derben Bauernchor zum Mitsingen geeignet zu sein scheinen, haben es den Schotten hier angetan: they love their sound.
  • Zu den Mensuren der Dulciana folgender Hinweis: C-H aus dem Bourdon entnommen, c0 auf dem nachfolgenden Blatt 1:1 aufgezeichnet, c=175mm Umfang, 56mm Durchmesser, Rollenbart mit Holzrolle, Stimmschieber ohne Berührung der Enden:

dulci05.jpg

dulci01.jpg  dulci02.jpg  dulci031.jpg

und hier zwei mp3-flies, einmal Dulciana 8′ alleine und einmal mit der Vox céleste

  1. dulciana.mp3
  2. voix_celestdulciana.mp3

gwm (so ganz, ganz langsam ans Heimfliegen denkend…………..) 

Clarabella 8′ in der Walcker-Orgel in Tomintoul

Freitag, Juli 3rd, 2009

Das Register zeichnet sich durch einen durchdringenden Flötenton aus, der aber sehr sympathisch in der Mittellage klingt. Im Bass werden Pfeifen aus dem Bordun entnommen, im Diskant erinnert die Klangfarbe direkt an eine Traversflöte. Intoniert auf 92mm WS ist das Register am Spieltisch eine kleine Idee zu stark, aber im Raum, der heute mit einem Teppichboden ausgelegt ist, klingt es warm und ausgeglichen.

C-H gedeckt aus Bourdun 16

c-h gedeckt eigenes Register  (BREITE c=aussen 57, innen 38mm, TIEFE 68 mm außen, 49 mm innen) Aufschnitthöhe c0=12mm

c1-c4 offen, runde Aufschnitte, Innenlabien, Frosch,  (siehe Foto, wo man den Kreisausschnitt mit d>als Pfeifenbreite erkennen kann)

Bild mit Orientierungskreis:

clara2.jpg

Ansicht des Registers:

clara01.jpg

Video:

gwm 03.07.09

Kernstiche

Mittwoch, April 1st, 2009

Manch einem gelten sie als das ausgesprochene Teufelswerk im Orgelbau, und anderen als Allheilmittel, um störende Pfeifengeräusche zu eliminieren. Besonders in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten waren Kernstiche passé. Dafür waren Diskussionen um offene Fusslöcher und Kernspaltenintonation an der Tagesordnung. So in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben sich die Ansichten in Sachen Intonationshilfen gewandelt. Auch die von anerkannten Altmeistern vorgenommenen Kernstiche, wie Andreas Silbermann, haben die Vorstellungen über radikale Ansichten gemildert.

Hier an unserer kleinen Serienorgel, Walcker Positiv „E“ – Canberra, Australien, war ich erstaunt beim Gemshorn und Rohrflöte eine völlig platte und fauchende, gehaltlose Intonation vorzufinden , so dass ich mich entschloss jenes“grundtonloses“ Zischen gegen maximale Klangkraft einzutauschen. Dafür sind drei Intonationsschritte erforderlich:

a) die Pfeifen müssen an Fuß und Kernspalte maximal geöffnet werden

b) das Oberlabium muss sehr weit herausgehoben werden

und last not least c) der Kern muss einige Kernstiche erhalten, beim Gemshorn 8 bis etwa c“. Mit den Kernstichen wird der runde, volle Ton begünstigt, Anblasgeräusche werden minimiert.

Wir haben an dieser Orgel 65mm Winddruck, der Aufschnitt war bereits sehr hoch angelegt, die Klangstärke der Basspfeifen war auch wegen der viel zu engen Mensur unbefriedigend schwach. Das wurde durch die obigen Maßnahmen verbessert. Besonders in der Mittellage sind die Pfeifen wesentlich frischer in Erscheinung getreten.

Kernstiche sind bei diesem niedrigen Winddruck nur verhalten anzubringen, aber erforderlich. Man beginnt am besten in der Mitte des Kerns einen kleinen Stich mit diesem bei Laukhuff erhältlichen Kernstichmesser. Dann setzt man vielleicht noch zwei links und rechts. Eher etwas vorsichtiger eindrücken. Weil bei zu starkem, Eindruck der gegenteilige Effekt eintreten kann, nämlich, dass die Pfeife zu zischen beginnt.

dsc_0178.jpg gwm.jpg rohrfloete.jpg

Das erste Bild zeigt die Kernstiche mit dem Kernstichmesser, das zweite meinen ARbeitsplatz in Australien und das dritte die Rohrflöte im Vordergrund, dahinter Gemshorn. Man beachte die extrem enge Mensur an den rechten Pfeifen gut erkennbar.

gwm

Canberra 1.4.09 19Uhr43


Über Labien, Aufschnitte und Kerne der Labialpfeifen

Freitag, Februar 6th, 2009

Vor einigen Tagen bat mich ein Organist ihn etwas über diese Zusammenhänge aufzuklären, da er viel missverständliche Angaben zu Labienbreiten und Kernschrägen in Bezug auf Walcker-Orgeln gehört habe. Manche Erweiterung an Walcker-Orgeln haben einfachste Faustregeln der Pfeifenfertigung, wie sie bei Walcker üblich war, außer Acht gelassen, was die Einbindung dieser Pfeifen erschwert hat.
Das Thema war in der Tat nach dem II.WK sehr aktuell bei Walcker, da die alten Tabellen und Angaben von Oscar Walcker und seinen Bearbeitungen seit der Praetoriusorgel, für die kommenden Instrumente in neue Formen gegossen wurden.

LABIERUNG

Hinzu kommt, dass meist nur die Intonateure und Pfeifenmacher wissen, dass die Umfangmensur eines Labialregisters zwar für die Tragfähigkeit des Tones wichtig ist, aber für die Lautstärke keine besondere Rolle spielt. Hier ist viel bedeutender welcher Querschnitt die Kernspalte aufweist, und das ist wiederum bestimmt durch Labienbreite (LB) und Kernspaltbreite. Das Letztere ist aus physikalischen Gründen sehr begrenzt, ermöglicht dem Intonateur aber neben der Erweiterung am Fussloch den Windfluss an der Pfeife so zu regulieren, dass sie lauter oder leiser klingt.

Die Labienbreite hingegen wird vor Fertigung der Pfeifen festgelegt und ist nach Fertigstellung der Pfeifen nicht mehr zu ändern. Hier haben wir es mit einer Konstanten zu tun, mit der man die Lautstärke eines Registers festgelegt wird. Und auch später kann man sehr gut erfassen welche Klangvorstellung der Planer bei dem Pfeifenwerk gehabt hat.

An der nachfolgenden Skizze habe ich drei verschiedene Labienbreiten skizziert: a) breit labiert b) normal labiert c) eng labiert

lab_pfeife.jpg

Der Pfeifenkörper ist, bevor er rundiert wird, ein rechteckiges Orgelmetallblech, genannte „Platte“, die mit Plattenbreite (PB) und Länge (PL) maßlich vom Pfeifenmacher bezeichnet wird. Das Labium beim Prinzipal ist in der Regel bei allen Orgelbauern gleich und rund 1/4 der Plattenbreite (untere Skizze). Man sagt also im Orgelbauerslang, LB= 1/4 PB, und weiß dann, dass es eine ganz normale Prinzipal-Lautstärke haben wird.

Wird das Labium enger gehalten, so wird diese Pfeifen schwächer im Klang. Fertigt man das Labium weiter als 1/4 PB so werden diese Pfeifen lauter. Die engsten Labien wurden lt. Aufzeichnungen Walcker bei der Bachflöte verwendet, mit bis zu 1/6 PB. Die breitesten Labien wurden wahrscheinlich bei starken Mixturen wie dem Scharff mit LB bis zu 1/3,5 PB und labialen Trompetenfortsetzungen LB bis zu 1/3 PB.

Eine ganz einfache Tabelle mit Kategorisierung der Labienbreite wurde bei Walcker nach diesem Muster verwendet:

2009-02-06_192731.jpg

Ein Umstand kommt hier allerdings nicht zur Erscheinung, nämlich die Tatsache, dass bei Andreas Silbermann, der bei vielen Mensuren Walckers Pate stand, changierende oder einfach variable Labienmensuren verwendet hat, was bei Walcker erst ab 1978 passiert ist.

So also waren bei Silbermann in der tiefen Lage die Pfeifen weiter labiert und wurden zum Diskant hin zurückgenommen, was auch unserem heutigen Hörgewohnheiten entgegenkommt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Mixturen wenn diese Pfeifen weiter als 1/4 PB labiert werden, viel schneller beim Stimmen eingknicken, da ja weniger Körpermaterial zur Stützung vorhanden ist. Daher ist unbedingt zu empfehlen, niemals bei Mixturen über 1/4 PB hinauszugehen. Denn laut sind die Dinger ohnehin genug.

KERNSCHRÄGEN UND KERNFASEN

Der Aufschnitt der Pfeifen wird in Abhängigkeit zur Labiumbreite ermittelt, auch hier könnte man sagen 1/4 LB = niederer Aufschnitt und 1/2 oder mehr ist schon ganz schön aufgeschnitten- und danach richtet sich nun die Dicke des Kernes, der aber logischerweise vor dem Aufschneiden des Oberlabiums festgelegt wird er ist KD = 1/4 AH (1/4 Aufschnitthöhe = Kerndicke). Je höher der Aufschnitt ist, desto weniger Obertöne entwickelt das Luftband, das sich am Oberlabium schneidet.

Als Kernschrägen gab es bei Walcker nur zwei grundsätzliche Möglichkeiten: 52 Grad = schräge Kerne, 68 Grad = steiler Kern. Dazu muss man sich die nachfolgende Skizze, die eine geschnittene Labialpfeife darstellt, sich vergegenwärtigen:

img_0001.jpg

Von Silbermann stammt der Gedanke, eine Gegenphase unten am Kern anzubringen hier mit 74 Grad angegeben. Und es sei noch auf das Unterlabium hingewiesen, dass 172 Grad zu einer gedachten Parallellinie zum Pfeifenkörper oder schlicht -8Grad eingelassen werden soll.

Die schrägen Kerne mit 52 Grad wurden bei Walcker in Pommer, Flöten, Bourdun, Gemshorn, Gedackt, Sesquialter, Streicher, eingebaut während die steilen Kerne bei den Prinzipalen und Mixturen Eingang fanden.

AUFSCHNITTE

  • Weit mensurierte Register werden nieder aufgeschnitten
  • Eng mensurierte Register dagegen höher aufgeschnitten
  • Niederer Winddruck erfordert niederen Aufschnitt
  • Hoher Winddruck dagegen höheren Aufschnitt
  • Aufschnitte werden im Diskant grundsätzlich niederer gemacht als im Baß (aus Gründen der Stimmhaltung, Tonklarheit)

Hier ein paar Angaben der Aufschnitthöhen mit Registerangaben:

  • Prinzipal 8 1/3,4 – 1/4 LB
  • Oktave 4 1-2 HT niederer als 8′
  • Prinzipal 2 2 HT niederer als 4′
  • Flöten 8+4 1/2,5 – 1/3 LB
  • Gedackte 8 und 4 1/2 – 1/3 LB
  • Quintatön 16+8+4 1/3,5 – 1/4 LB
  • Schwiegel, Quinten, Terzen 1/3,4 – 1/4LB
  • Septime,None 1/5- 1/7 LB
  • Nachthorn, Flöten, Streicher 1/3-1/4 LB

gwm

Mixturen in der Spätromantik

Montag, November 3rd, 2008

Hier haben wir ein mustergültiges Instrument, das ich in einem anderen Blog mit der Walzeneinstellung schon vorgestellt habe: die 1915 für Rotterdam gebaute Walcker-Orgel, Opus 1855. Sie steht heute in Doesburg NL mit III/75. Ob allerdings diese Mixturen, wie ursprünglich geplant und gebaut, heute noch in der Orgel sind, ist fraglich. Wer solch ein Instrument plant wird überrascht sein, wie einfach und klar diese Konzeptionen sind.

Die Bezeichnung „Silbermann“ bei Walcker, hat Markus Zepf festgestellt, könnte aus restaurierten Orgeln stammen, die nicht von (Andreas) Silbermann sind, sondern von den Restauratoren am beginnenden 19.JH. .

Ich vermute, dass der normale Widdruck bei 90-95mmWS lag. Sicher ist der Winddruck bei den Zungen im I. und II. Manual bei 110mmWS, was im Arbeitsbuch vermerkt ist.

I.Manual Cornett 8′, Mensur Silbermann

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

I.Manual Mixtur 2′, 5fach

C: 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2

c: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“‘: 8 – 8 – 4 – 2 2/3 – 2

II.Manual Cornettino 4′, 3-4fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

cs“‘ – 8 – usw

II.Manual Großmixtur 4′, 5-7fach (wurde später geändert)

C: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 1/2

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5 (so ist das richtig, unten verdickt das nur)

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

III.Manual Cymbel 2′, 3-4fach, Silbermann Mensur

C: 2 – 1 1/3 – 1

c: 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 4 – 2 2/3 – 2

IV.Manual Glockenton 3-4fach, Mens. Silbermann

C: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c‘: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c“‘: 2 2/3 – 2 2/7 – 2 – (1 ?)

Es gibt noch eine Pedalmixtur, wo ich die Zusammensetzung nicht gefunden habe.

(gwm) 3.11.08

Mixturen und ihre Zusammenstellungen ab 1864

Samstag, November 1st, 2008

Wie wichtig diese Zusammenstellungen für einen runden Tuttiklang sind, haben wir jetzt erst wieder erleben können an unserer Orgel in Bukarest, wo die Mixtur im SW auf 2′ beginnt und weit runder und weicher ins Tutti tritt als die anderen Mischungen, die höher liegen.

Nun beginnen wir einfach mal mit einer Orgel, die um „Mühlhausen Op 220“ angesiedelt ist, und die Albert Schweitzer als eine der klangschönsten Instrumente bezeichnet hat, die ihn zum Orgelspiel hinführte.

OPUS 216 Tettnang eingetragen 24.2.1864 (II/24)

Mixtur 5 fach verbunden mit Quint (das heisst die Quinte 2 2/3 kann separat gespielt werden. Wenn die Mixtur gezogen wird, ist die Quint aber immer dabei.)

Hier nun in der Schreibweise von Eberhard Friedrich Walcker, bezogen auf den Repetitionspunkt, also das aktuelle c

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5 – 1/2

c‘: 2 – 2/3 – 1 – 1/2 – 2/5

c“: 1(offen) – 1/2 – 1/3 – 1/4- 1/5

c“‘: 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/10

dasselbe nochmals in neuer Schreibweise Bezugspunkt ist das große C

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 4- 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1

c‘: 8 – 2 2/3 – 4 – 2 – 1 3/5

c“: 8 (offen) – 4-2 2/3 – 2- 1 3/5

c“‘: 8- 4 – 2 2/3- 2 – 1 3/5

Von Mühlhausen Opus 220 liegen mir leider keine Zusammenstellungen vor. Ich erinnere mich aber an verschiedene andere Mensurblätter, die gelegentlich hier gezeigt werden. Dafür gibt es aber

Opus 253 Habkirchen vom 31.Aug. 1869 (I/12)

Mixtur 2 2/3 – 3fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/6 – 1/8 – 1/10

Opus 254 Groß Engstringen vom 13.9.1869 (I/15)

in diese Zeit fällt der Umstand, dass man vermehrt Aeolinen anstatt Dolcen als schwächste Streicher bei Walcker vorfindet. Hier war die Dolce noch eingeplant, wurde durchgestrichen und durch Aeoline ersetzt.

Mixtur 2 2/3 – 4fach (typische Mixtur von EFW bei kleineren Orgeln, wo wir die landläufige Regel, dass Mixturen auf 1 1/3 oder auf dem 2′ im letzten Ton enden, weil man höher kaum noch stimmen kann, bestätigt finden. Außer bei den kleinen Orgeln, da endet die Mixtur auf der Terz 1 3/5′. Wir werden also bei solchen Mixturen zum Diskant hin eine Abschwächung wahrnehmen) Die konsequente Einhaltung, dass nur auf den c-Tönen repetiert wird, ist für den Stimmer ein Segen, und meines Erachtens auch kaum mit einem schönen Principal 8′ zusammen hörbar.

C: 2 2/3- 2 – 1 3/5- 1

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 1 – 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/2 – 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/4 – 1/5 – 1/6 – 1/8

(gwm) 1.11.08

siehe hierzu auch: http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/