Archive for the ‘Tamburini’ Category

Crescendo – Decrescendo auf einer Neobarock-Orgel

Sonntag, Januar 23rd, 2011

Maestro Licata hat mir während der Orgelprobe gesagt, dass er es außerordentlich findet, wie das Crescendo – Decrescendo dieser Orgel mit den neuesten Arbeiten gewonnen habe, und wir haben heute die aufgenommenen Klangbeispiele untersucht und gefunden, dass es tatsächlich sehr gewonnen hat. Die Gründe dafür sind, dass man alle leisen Achtfüsser soweit es überhaupt ging, angehoben hat in der Lautstärke.

Wir haben hier zwei Crescendo-Beispiele als mpo3-files eingebracht auf denen man diese Entwicklung hören kann. Das Hinzutreten der hellen Ripienis ist natürlich Eigenart dieser Orgeln. Man sollte sich auch nicht stören an den im Nebenraum übenden Flötisten.

Hier das erste Beispiel „Crescendo-Decrescendo von Prof. Alessandro Licata gespielt:

crescend_decrescend01.mp3

hier ein sehr langsames Crescendo von einem seiner Studenten vorgetragen:

crescendo02.mp3

Und hier zwei Beispiele, die nichts mit dem Crescendo zu tun haben, aber mit typischen Register dieser Orgel. Das Cromorne haben wir beinahe im Vorfeld der Intonation aufgegeben, als unheilbar fehlerhaft an Mensur in Kehlen und Becherform leidend.

Bis ich endlich die Zeit hatte am letzten Tag alle Zungenblätter auszuwechseln und ein ganz farbig manierlich werdendes Register erklang. Ich selbst habe mit kurzbechrigen Registern und Zimbel wenig am Hut, aber hier kam Freude auf, als man diese Zwerge miteinander kombinieren konnte.

Also (Terz)-Zimbel, Nachthorn 8 und Cromorne 8:

zimbel_nachthorn_cromorne.mp3

und das Cromorne mit labialem Achtfuss:

cromorne.mp3

gewalcker@t-online.de

Orgel Stimmen mit dem iPad

Freitag, Januar 14th, 2011

Stimmen mit dem iPAD

Das Stimmen einer Orgel ist keine einfache Sache. Je mehr Register und je mehr gemischte Stimmen in dieser Orgel vorhanden sind, desto größere Schwierigkeiten treten auf, weil auch letztendlich der beste Stimmer seine Ermüdungserscheinungen hat und dann Konzertrationsstörungen zu unschönen Erscheinungen führen können und weil die Möglichkeiten der Störung bei größeren Orgel drastisch ansteigen.

Als große Hilfe sehe ich daher Stimmgeräte an, die beim Stimmen ständig eine optische Stütze bieten.

Das beste Gerät das ich bisher fand, war jenes sagenhafte App „Cleartune“, das mir Christhard Rensch empfohlen hat und mit dem ich sowohl als   iPhone- und iPadvariante  immer ein gutes Kontrollorgan bei langen Sitzungen gehabt habe. Die iPad-Variante ist wegen der großen Anzeige und 10stündiger Bereitschaft mein Favorit.  Die iPad-Lösung kostet rund 5 Euro und ist jedem mir bekanntem Stimmgerät in mehrfacher Hinsicht überlegen. Sowohl in der Bandbreite, es kann bis zum c4 eines 1′ gestimmt werden, der Stimmton a kann in 1/10 Hz Schritten eingestellt werden, in Displayansicht und Dauer (über 10 Stunden mit einer Batterieladung ist kein Problem) und ebenso der Präzision durch ein super Mikro, ist diese Technik das Beste was es bisher in diesem Bereich gibt. Vegessen Sie also alle Stimmgeräte, die 500 bis 1000Euro oder mehr kosten. Im iPad schlummern alle Stimmungen, von reinem Phytagoräisch bis zu Werckmeister III. Wer seine Ohren schonen will, kommt bei solchen Orgeln, wie sie Tamburini nach 1950 konzipiert hat, am iPad nicht vorbei.

 ipad.jpg

Ich möchte bei diesem Blog nicht auf die verschiedenen Stimmungen eingehen, obwohl das sicher ein sehr interessantes Thema ist, das auch von dieser Perspektive aus weitere Anreize bieten kann.; aber letztlich ist dieses Thema so umfassend, dass man mehrere Tage und Schreibmaschinenseiten dafür aufwenden kann, ohne es je abschließend behandelt zu haben. Außerdem gibt es hierzu wahrlich umfassendes Material auf dem Internet besonders bei Wikipedia. Leider wird hier sehr viel Mathematik und Tabellenwissen geoffenbart, anstatt die jeweiligen musikalischen Aspekte der verschiedenen Stimmungen zu beleuchten, aber das wird man sicher auch an anderen Stellen finden.

 

Gleichschwebende Stimmung

Wir behandeln hier ausschließlich die „Gleichschwebende Stimmung“ auch „Gleichstufige Stimmung“ oder „gleichstufig temperiert“ genannt. Alle anderen Bezeichnungen für diese Stimmung sind nicht zutreffend.

Bei dieser gleichschwebenden Stimmung sind nur die Oktaven reingestimmt, alle anderen Intervalle sind mehr oder weniger unrein. Ein rein gestimmter  Intervall lässt keine Schwebung mehr zwischen zwei Tönen hören.

Der Abstand zwischen den einzelnen Halbtönen innerhalb der Oktave ist exakt gleich  = 100 Cent.

(siehe hierzu die Tabelle in Wikipedia)

 

Wird also mit dem Stimmgerät „Gleichschwebende Stimmung“ eingestellt und damit sauber und präzise ein Prinzipal 4′ von C-c4 durchgestimmt, so kann man sicher sein, dass alle Oktaven absolut rein gestimmt sind, während Quinten, Quarten, Terzen ihre bekannten Schwebungen haben.

 

Temperaturänderung im Raum

Hinzu kommt, dass bei Änderung der Raum-Temperatur sich die Stimmung verändert. Erhöht sich die Temperatur erklingt die Pfeife in höherer Frequenz und umgekehrt bei niederer Temperatur klingt sie tiefer.

Wir haben mit dem Stimmgerät jedoch die Möglichkeit eine zu gegebener Temperatur gestimmte Pfeife als Stimmton festzulegen und bei Veränderung der Temperatur, das Stimmgerät danach auszurichten.

 

Beispiel: Bei der Stimmung des Prinzipal 4′ haben wir eine Raumtemperatur von 16,5 Grad Celsius und dabei haben wir festgestellt, dass die Pfeife a1= mit  441,6Hz vom Stimmgerät gemessen wird. Mit dieser Stimmung können wir also in der Orgel stimmen, solange die Temperatur 16,5 Grad Celsius beträgt.

Wird nun die Temperatur erhöht auf 17,2 Grad Celsius. So messen wir wieder mit dem Stimmgerät, das nach meiner Aufzeichnung nun 442,5 Hz bei a1 anzeigt. Wir prüfen weitere Töne, um sicher zu gehen, dass wir bei der erhöhten Raumtemperatur die richtige Einstellung am Stimmgerät belassen können. Und sind nun in der Lage, trotz Erhöhung der Raumtemperatur auf exakt der gleichen Stimmung in der Orgel weiter zu stimmen, ohne großartige Berechnungen durchführen zu müssen oder Tabellen heranzuziehen. Alles das kann nämlich auch fehlerbehaftet sein. Wichtig ist, immer mehrere Kontrollen durchzuführen und sehr dynamisch jeden Schritt abzugleichen, dann kann nichts schiefgehen.

 

Weitere Schikanen beim Stimmen

Zu beachten ist, dass wie hier in Santa Cecilia noch weitere Schikanen das Stimmerleben beeinträchtigen können. Wenn nämlich der Motor draußen aufgebaut ist, wo es nachts gefährliche tiefe Temperaturen hat, die nicht von uns messtechnisch beachtet werden können. Hier sind Tabellen und Formelberechnungen hilflos. Während das Messen mit dem Stimmgerät wenigstens teilweise diese Schwankungen mit aufnimmt.

Ein weiterer oft beobachteter Vorgang: der Hausmeister braucht dringend einen Stein für seine Autoreparatur. Er erinnert sich an die vielen (unnötig) auf dem großen Orgelbalg liegenden Backsteine. Er braucht ja nur einen. Der Orgelstimmer kommt am nächsten Tag und bemerkt mit der ersten Probe am Stimmregister, dass das a1 nur 437Hz hat, obwohl die Raum-Temperatur genau wie gestern war. Die Überprüfung der Winddrücke verhindert eine Katastrophe.

 

Stimmgerät und Stimmregister

 Der Prinzipal 4′ des Hauptwerks ist in der Regel das Stimmregister, mit dem alle anderen Register in der Orgel gestimmt werden. Daher wird besonders große Sorgfalt bei Beachtung dieses Registers geschenkt.

Der Prinz.4′ im Hauptwerk wird bei der Stimmung der 75 Registerorgel in Santa Cecilia mehrmals am Tag kontrolliert und gemessen. Wir haben derzeit unheimliches Glück, weil die Temperatur nur wenige Grade Celsius ansteigt.

Da man dieses Stimmregister in den unteren Regionen bei I.Manual und im Schwellwerk kaum als Vergleichsregister heranziehen kann, ist die Hilfe via iPad mehr als willkommen.

Man stimmt also einen Prinzipal 4′ im III.Manual nach der am Stimmgerät eingestellten Tonhöhe und vergleicht dann am Spieltisch den Hauptwerkprinzipal 4′ mit dem Schwellwerkprinzipal 4′ indem man alle vier C-Tasten drückt, III.Manual aufs Hauptwerk im II.Manual gekoppelt. Es darf keine Schwebung hörbar sein. Diesen Vorgang wiederholt man auf allen Tasten bis zum c4.

Nach erfolgreicher Überprüfung hat man ein Stimmregister in diesem III.Manual, das nun ebenso wie der Prinzipal im II.Manual regelmäßig auf korrekten Stand der Stimmung geprüft wird.

 

 

Stimmen verschiedener Register einer Windlade

Das vom Stimmer am weitesten entfernte Register einer Windlade wird zuerst gestimmt, darauf folgt das nächste usw., das letzte Register ist also dasjenige, welches unmittelbar am Stimmgang steht. Dadurch kommen wir nicht in Versuchung ein bereits gestimmtes Register erneut zu touchieren.

Alle 8Fuß-Register stimme  ich direkt und ohne ein Stimmgerät zu benötigen mit dem Stimmregister. Zur Kontrolle steht das iPad an gut übersichtlicher Stelle, weil ich sofort sehe, ob der neu angeschlagene Ton zu hoch oder zu tief ist, auch wenn das Stimmregister dazu geschaltet ist und dominiert. Das ist das Schöne an diesem Stimmgerät, bei dem man übrigens die Nadeldämpfung stärker oder schwächer einstellen kann, je nachdem wie  obertönig das Register klingt.

MIXTUREN : kann man ganz hervorragend mit dem iPad stimmen. Man muss aber beachten, dass bei freigeschalteter Tonsuche, das Gerät die Quinten als Grundtöne ermittelt. Wer dann diese Quinte rein stimmt, stimmt den Mixturton mit Schwebung, weil wir nur die Oktaven rein haben dürfen.

Beispiel: auf c0 haben wir  2 – 1 1/3 – 1 – 2/3, alle 4 Mixturpfeifen sind abgesteckt, man öffnet die Pfeife des 1 1/3′, das Stimmgerät ermittelt das g0. Stimmt man diese Pfeife  nun rein auf das Stimmgerät, so stimmt der Ton  nicht auf das c0, weil wir zwischen c0 und g0 bei der Gleichschwebenden Stimmung bekannte Schwebung haben. Hier hilft folgender Trick. Hinzuziehen des Prinzipal 4′, zuerst stimmt man den 2′ rein zum P4′, dann kann man problemlos die Quinten  aufmachen und weiterstimmen. Das Stimmgerät sortiert die weiteren Pfeifen der Mixtur als Partialtöne, die zum Grundton rein sein müssen, ein.

SESQUIALTER 2 fach und Cornett: auch hier ist wichtig das Terz und Quinte nicht vom Stimmgerät als Stimmton ermittelt werden dürfen, sondern Terz und Quinte sind rein zur gedrückten Taste zu stimmen. Das ergibt feste Centwerte, mit denen man arbeiten kann, das aber auch sehr umständlich sein kann. Deswegen empfehle ich immer bei solchen Stimmen den Stimmprinzipal dazu zuziehen und in den höheren Oktaven die Oktaven der Tasten dazu zu schalten.

 

Zungen stimmen

Zungen sind sehr einfach zu stimmen und haben dabei den Vorteil, dass hier kein Material bewegt wird, das fest mit dem Pfeifenkörper verbunden ist. Daher kann man Zungen sehr gut für Ausbildungszwecke zum Stimmen einsetzen. Aber diese Register sind auch gut dafür geeignet verschiedene Stimmungen auszuprobieren, wie sie dieses Stimmgerät anbietet. So kann man die verschiedenen Pythagoräischen Stimmungen, die mitteltönigen Stimmungen mit reinen Quinten und Terzen testen, oder all die sogenannten „wohltemperierten Stimmungen“ worunter Aron-Neithardt, Barnes’Bach, Fast-gleichschwebend, Kellners Bach, Kirnberger III, Transp. Vallotti/Young, Vallotti, Werckmeister i/III , die Französischen Stimmungen bis Rousseau IV, oder auch selbstprogrammierte Stimmungen erproben.

Es gibt verschiedene physikalische Aspekte, die man mit dem Stimmgerät prüfen und nachvollziehen kann, oder, die einem schlichtweg suspekt sind.

Es ist meiner Meinung nach nicht möglich mit diesem hochkomplizierten Messgerät festzustellen, was sich im menschlichen Ohr ereignet wenn Schwebungen zwischen Tönen stattfinden. Zum Beispiel die berühmte Erzeugung des Grundtones wenn der 2. und 3- Partialton erklingen. Also 10 2/3′ und 16′ erzeugen den Grundton 32′. Das ist auch im kleineren Maßstab 5 1/3′ und 8′ erzeugen den 16′-Ton, mit keinem Meßgerät der Welt erfassbar.

Hier findet im menschlichen Ohr oder psychosomatisch etwas statt, das mit Akustik nur am Rande etwas zu tun hat. Das betrifft übrigens sehr viele andere Dinge, die man beim Stimmen bemerkt und die in der Physik anders benannt werden. So werden zum Beispiel alle Orgelbauer sehr früh gelehrt, dass das Labialwerk sich verstimmen würde, während die Zungen stabiler bleiben. Und da Zungen weniger in der Orgel sind, stimmt man halt diese nach. Aber wer bei einer verstimmten Orgel die Zungen-Oktaven prüft und dann die Labialen-Oktaven, wird eines anderen belehrt.

 

gewalcker@t-online.de

 

Grundlagen der klassischen italienischen Orgel und ihre Parallelen in Santa Cecilia

Samstag, November 13th, 2010

Von Ferdinand Klinda gibt es das hervorragende Buch „Orgelregistrierungen- Die Klanggestaltung der Orgelmusik“ erschienen 1987 in Breitkopf &Härtel, das sich mit der Registrierung und Klanggestalt der italienischen Orgel auseinandersetzt. Jedenfalls habe ich bisher noch nicht so klar und verständig über diese Thematik gelesen. Daher möchte ich diesen Auszug hier zeigen. Er ist begleitet von einigen Anmerkungen meinerseits, die sich natürlich mit unserer Erfahrung an der Tamburini-Orgel in Santa Cecilia ergänzen, eine Orgel, die der berühmte Organist und Orgelpädagoge Fernando Germani im Jahre 1964 mit der Orgelbaufirma Tamburini gestaltete. Mit Sicherheit nicht ohne diese historischen Erkenntnisse verwertet zu haben
Hier Originaltext Ferdinand Klinda (vereinzelte Worte wie Jahrhundert in JH abgekürzt)
Seite 39 Kapitel 12

Registrierungen italienischer Orgelmusik des 16. bis 19.Jahrunderts – Ferdinand Klinda
Die Entwicklungsgeschichte der italienischen Orgel zeichnet sich durch eine große Beständigkeit und durch ein Festhalten an traditionellen Orgelprinzipien aus. Bereits in der ersten Hälfte des 16.JH erreichte die italienische Orgel ihre typische Gestalt und behielt sie fast unverändert bis ins 19.JH. Es ist eine sogenannte Reihenstil-Orgel, die durch Aufspaltung des Blockwerks in einzelne spielbare Registerreihen entstand.
16. und 17.Jh
Die italienischen Orgeln im 16. und 17.JH sind überwiegend einmanualige Instrumente mit oder ohne Pedal. Den Hauptbestand der Register bilden Prinzipalstimmen in Oktavlagen und Quintlagen (ab 1 1/3′) in einfacher Besetzung, die zusammen gezogen das Ripieno (Pleno) ergaben und bezeichnenderweise „registri d’organo“ genannt wurden. Als „registri da concerto“ wurden ein bis zwei offene Flötenstimmen in 4′- oder 2′ Lage und die Voce umana (oder Piffaro) disponiert, eine Prinzipalreihe, die um zwei bis drei Schwingungen höher gestimmt wurde (bei Orgeln der venezianischen Schule jedoch tiefer!) und die zusammen mit dem Grundprinzipal eine milde, sehr charakteristische Schwebung erzeugt.
(ANM 01 – hier möchte ich einen Kommentar einfließen lassen, der sich auf die Voce celeste 8′ des III.Manuals in Santa Cecilia bezieht. Denn diese Stimme ist, wie auch der Fiffaro 8′ im II.Manual eine solche schwebende Stimme, in jedem Falle höher gestimmt, wie sie hier von Klinda beschrieben ist. Man kann diese Schwebung nicht so langsam stimmen, wie wir das auch von den deutschen Schwebungen her gewohnt sind. Die Schleifladen und die hier vorliegenden „Anziehungskräfte“ erlauben das nicht. Würde man beginnen die kleine Oktave so langsam zu trimmen, wie das hier beschrieben ist, und wie wir es von unseren Vox coelesten her gewohnt sind, käme bereits bei kleinsten Temperaturverschiebungen wieder ein Stillstand zwischen den beiden Registern zustande. Beachtet werden muss auch der Umstand, dass die schwebende Stimme halbwegs in sich selbst gestimmt sein soll, was heißt, ich überprüfe sie oktavenweise auf Stimmung in sich und auch hier sind im oberen Bereich starke physikalische Kräfte, die minimale Verstimmung-Schwebung, aufzuheben oder auszugleichen. Daher sind die Schwebungen bei Schleifladen oben immer zu schnell. gwm)
(ANM02 zu Ripieno – wir sehen also, dass das Ripieno nicht einfach als „Mixtur“ übersetzt werden darf)

Das typische Schema der klassischen italienischen Orgel lautet:
Principale                       (8′)
Ottava oder VIII              (bedeutet um 8 Untertasten höher klingend=4′)
Quinta decima oder XV     (um 15 Untertasten höher= 2′)
Decimanona oder XIX       (um 19 Untertasten höher= 1 1/3′)
Vigesima seconda XXII    (um 22 Untertasten höher = 1′)  
Vigesima sesta XXVI        (um 26 Untertasten höher = 2/3′)
Vigesima nona XXIX         (um 29 Untertasten höher = 1/2′)
Trigesima terza XXXIII     (um 33 Untertasten höher = 1/3′)
Trigesima sesta XXXVI     (um 36 Untertasten höher = 1/4′)
Flauto in quintadecima XV (2′)
Flauto in ottava VIII         (4′)
Voce umana                    (8′)

Contrabassi pedale           (16′)
Cornamuse (regalartige Zungen 8′) selten

Im italienischen Orgelbau werden Fußtonbezeichnungen nicht verwendet. Stattdessen bezeichnet man mit Worten oder römischen Zahlen den Abstand der Untertasten vom Grundklang.
Der Grundprinzipal – Principale genannt –  klingt immer im 8′-Ton und wurde oft in Principale bassi und Principale soprani geteilt, war also in Baß und Diskant separat spielbar. Die Ladenteilung war verschieden, sie lag meist zwischen c1 und cis1 (wie im Spanischen Orgelbau) bei der venezianischen Schule zwischen d1 und dis1, manchmal auch zwischen a und b. Der normale Klaviaturumfang lag im 16.JH zwischen C und a2, später dann C-c3, mit kurzer tiefster Oktave, also 45 Tasten; einzelne Instrumenten gingen bis d3 (47 Tasten). Größere Orgeln hatten auch größeren Klaviaturumfang, und zwar fünf Oktaven, 57 bzw. 59 Tasten, indem man zur Tiefe hin erweiterte. Die Klaviatur wurde um eine Oktave verlängert. Allerdings hatte die meisten dieser Orgeln einen realen Umfang, der erst bei Kontra-F begann; die drei Töne C,D,E darunter waren von der nächsten Oktave angehängt, sie repetierten hinunter. Die tiefste Pfeife des Principale hätte dann 12′-Länge, und am tiefen Ende der Klaviatur spielten diese Töne:
        D      E      B1           Cis    Dis
C  F1    G1    A1     H1    C      D     E  etc.

Noch größere Orgeln, deren Prinzipale wir als 16′ bezeichnen würden, hatten dieselbe Klaviatur, darüber hinaus aber drei tiefe Töne mehr im Baß0, nämlich C1, D1, E1, also eine real klingende Kontraoktave.
Durch den größeren Klaviaturumfang gewinnen die Orgeln einen größeren Tonumfang, doch keinesfalls eine Registerreihe in er Unteroktave, wie z.B. im deutschen Orgelbau die 16′-Stimmen.
Disponiert und gespielt wurde immer auf der Grundlage des 8′-Grundklanges.
(ANM03, dieser Umstand ist uns bei der 4manualigen Tamburini-Orgel in Santa Cecilia unmittelbar aufgefallen: die Orgel mit rund 75 Registern basiert im Hauptwerk auf einem 8’Register, alles andere, wie der Prinzipal 16′ sind so schwach intoniert (Winddruck um 48mmWS) dass sie nicht als Basis des Manuals erkannt werden, sondern eher, als forciertes Bordunregister)
Die Erweiterung der Klaviatur zur Tiefe hin bedeutete eine Bereicherung der Spielmöglichkeiten und des Tonumfangs der Orgel. Für das Manual und zugleich für das Pedal brachte dies den klanglich willkommenen Bass Bereich, außerdem Möglichkeiten des Lagenwechsels, Verlegung der Stimmen usw., wie es die Alte Spielpraxis zuließ. Keinesfalls war damit eine Verdichtung, Verdunkelung oder Gravität des Klanges beabsichtigt. Man beachte dies gut bei den Registrierungen, um Missverständnissen auszuweichen, die manche Lehrbücher aus den unrichtigen Bezeichnungen 12′- oder 16′ Prinzipale ableiten. Durch die Länge der Klaviaturen ergibt sich eine für Mitteleuropa ungewöhnliche Verschiebung der Klaviaturmitte (c1) nach rechts was eine Verlagerung der Pedalklaviatur zur Folge hat.
Die Pedale der kleinen Orgeln besaßen nur sechs, acht oder neun Tasten, größere Orgeln hatten Pedale mit siebzehn, achtzehn und mehr Tasten, die kurz und schräg waren.
Die Pedaltasten waren an das Manual fest angehängt und spielten die tiefsten Manualtöne mit.

Ein wesentliches Merkmal der italienischen Registrierungen sind die Zusammensetzungen und der Klang der Ripienos, die gegenüber den Mixtur-Orgeln grundverschieden sind.
Die Chöre der Ripienos, prinzipalische Oktaven und Quinten, sind als Einzelregister gebaut und nur einfach besetzt – sie ermöglichen eine separate Benutzung und ein Variieren des Ripieno -Klanges. Es gibt auch keine regelmäßigen  Oktavrepetitionen der üblichen Mixturbauart, sondern die Einzelreihen der Aliquoten sind durchlaufend und repetieren jeweils erst an ihrer Tongrenze(c5), in der Regel die Quinten auf fis, die Oktaven auf cis. Der Tonumfang der Pfeifen des Ripienos ist beiderseitig begrenzt: Es gibt keine tiefe Quint 5 1/3′, und die kleinsten Pfeifen haben das Fußmaß 1/8′
Während bei Mixturen (Scharf, Zimbel) die Repetitionspunkte regelmäßig verteilt sind, nimmt beim Ripieno ihre Zahl in der Höhe zu; in der tiefen Lage kommen keine Repetitionen vor, in der mittleren wenige, in der hohen zunehmend mehr. Die hohe Lage verliert an klangspektraler Breite, wird aber mehrchörig. In der Tabelle 6 sind diese unterschiedlichen Verhältnisse schematisch dargestellt.
klinda01.jpg

(ANM04, die hier von Klinda angesprochenen Ripieni haben wir in der Tat bei der 1964 von Tamburini gebauten Orgel im Hauptwerk und im III.Manual so angetroffen. Besonders im III.Manual wurde festgestellt, dass diese Mixturen ab c2 kaum dauerhaft gestimmt werden können, denn bei einer Zusammensetzung von  2- 2 – 2- 2 2/3 – 2 2/3 bei c3-g3 kann man sich vorstellen wie hier eine eingeschaltete Superkoppel wirkt. Der Umstand, dass die Pfeifen relativ gleichmäßig mensuriert wurden und die Pfeifenfusslängen nicht unterschieden wurden, begünstigt auch hier das Anziehen und Abstoßen der Frequenzen beim Stimmen. Das Fehlen der Klangkrone wird allerdings durch die separaten Einzelstimmen aufgehoben. Insofern wird auch eine Orgel mit solchen Ripieni, die im Prinzipalpleno recht blass klingt, durch das Dazuschalten von 2 2/3- 2 – 1 1/3 – 1 3/5- 1 und eventuell Sesquialter auch im Tutti noch eine krönende Wirkung erzielen.)

Von den Meistern des 17.JH stammt der Brauch, die Pfeifen des Ripienos (ab XV aufwärts) einheitlich zu mensurieren, und zwar im Maß der Ottava (VIII), welches etwas geringer war als das des Principale. Die venezianischen Meister bauten alle Pfeifen des Ripienos in der Prinzipalmensur.
Die Zahl der zum Ripieno gebauten Reihen war verschieden und hing von der Größe der Orgel ab. Kleine Orgeln begnügten sich mit dem Aufbau bis zum XIX (1 1/3′), die größten klassischen Orgeln besaßen Reihen bis zum XXXVI (1/4′). Bis zum Ende des 18.JH und später wurde sogar bis zum XLII (1/8′) ausgebaut.
Während im älteren Orgelbau als höchste Reihe des Ripienos eine Quinte gebaut wurde, bürgerte sich von 18.JH an die Regel ein, mit einer Oktave abzuschließen. In manch größerer Orgel wurden hohe Ripieno-Reihen zu je zwei auf einem Registerzug zusammengeschlossen. (Weswegen wir es in Santa Cecilia im Hauptwerk mit einer 9fachen Mixtur zu tun haben)
(gewalcker@t-online.de)

 

 

 

 

Die romantische Tamburini-Orgel aus 1930 in Rom, Ambrocio e Carlo

Sonntag, November 7th, 2010

Diese wunderschöne Orgel, restauriert von Luigi Lombardo im jahr 2009, stellt eine mustergültige Antwort auf die Frage, was denn romantischer-italienischer Orgelbau an Orgeln gebracht hat. Luigi wird übrigens, auf meine spontane Einladung hin, im Januar einige Tage bei unserer neobarocken Tamburini im Conservatorio nur wenige hundert Meter entfernt von Ambrocio e Carlo mitarbeiten.

Hier die Disposition, die in dieser konzeptuellen Schreibweise den Typus wiedergeben will und auf die ich bei der Klangvorführung weiter unten jetzt schon eingehe. Wir haben im ersten Teil des Videos die 3 verschiedenen Principale des HW gezeigt und dann mit der Trompete.

2010-11-07_093854.jpg

orgel_ambrocio.jpg  bild003.jpg  bild004.jpg  bild005.jpg  bild007.jpgbild006.jpg

bild010.jpg

Mixtura 14fach und andere Gemeinheiten

Samstag, Oktober 16th, 2010

Sehr oft wird man belehrt, dass das Wissen um Mixturen, dem geheimnisvollen Stoff aus dem die großen Tutti- und andere Plenen bestehen, ein ebensolch großes Rätsel bleibt. Auch wenn heutzutage alle Welt von Wissen redet.

 
(an diesem Bild sehen wir in erster Reihe den Principal 8′ von Walcker, das Prospektregister, dann die Mixtur 4fach, dann 1′ und 1 1/3′, Mixtur 5 fach allesamt im Hauptwerk der Tamburini-Orgel in Rom, Santa Cecilia)

Wer, wie ich, drei, vier Tage nur mit Stimmen der  weniger geheimnisvollen „ranks“ der Grand Orgue der Tamburini in Rom, Santa Cecilia, beschäftigt ist, macht sich während und nach der Arbeit,wenn ihm der Kopf noch gehörig klingelt, so seine Gedanken:

Im Hauptwerk nämlich dieser Orgel haben wir eine gigantische Mixtur bestehend aus Ripieno 5 fach und Ripieno 4 fach basierend auf 2′ und 1 1/3′. Dazu kommen Einzelchöre wie 2 2/3′, 2′, 1 3/5′, 1 1/3′ und 1′, also  14 Pfeifenreihen mit syntetischen Obertönen zum 8′.

Die Einzelchöre können wir per Schleifenzug ab+ anschalten, während wir beim Intonieren und Stimmen dieser Mixtur(en) die beiden 4 und 5 fachen Ripienis nicht getrennt betrachten können.

Mixturen stellen, wie oben gesagt, die Partialtöne des Prinzipals des  jeweiligen Manuals dar.

Der 1.Teilton ist der Grundton  beim 8′ ist das der 8/1= 8′, der 2.Teilton ist 8/2= 4′, der 3.Teilton  8/3= 2 2/3, der 4.Teilton 8/4= 2′, der 5.Teilton 8/5= 1 3/5′ etc., ein lückenloses Teiltonschema beim 8′ beginnt also mit 4′, 2 2/3′, 2′, 1  3/5′, was wir mit entsprechender Mensur als Cornett erkennen würden. Durch das Weglassen von bestimmten Teiltönen bekommt die „Mixtur“ ihre spezielle Note. Den 2. Partialton haben wir eigentlich bei jeder Orgel in Form einer Oktave (8, 4, 2) vorliegen. Die Terz hat man gerne separat, da sie eine körnige Spezialität mit in die Mixtur einfliessen lässt, die nicht immer erwünscht ist. (dieses einfache Dividieren kann man ebenso mit dem 32′ machen, als 2.Partialton 32/2= 16′, 32/3= 10 2/3′ etc.)

Damitzeigt sich die Big Mixture  desHauptwerks wie folgt:

Hier in diesem Blog möchte ich einige wichtige Details zur Intonation und Stimmung der Mixturen einbringen.

Mixturen sind nicht einfach zu stimmen. Zumindest gehört einige Erfahrung dazu, mindestens das hier nachfolgend aufgeführte Minimalwissen.

Vor Stimmung einer Mixtur muss geklärt werden bei welcher Temperatur die Orgel zu welcher Frequenz eingestimmt wurde. Wir gehen normalerweise von 440Hz bei 18 Grad Celsius aus. Wie verhält sich nun der Stimmer, wenn andere Temperaturen vorliegen? Ich habe eine Drehscheibe verfertigt, mit der die geänderte Wärme-Temperatur und der Stimmton in Hz (Hertz) eingestellt und dann kopiert wird. Dieses Blatt kommt gut sichtbar in die Orgel und kann jederzeit zur Überprüfung herangezogen werden. Wer Lust hat kann sich aus dem nachfolgenden Foto selbst eine solche drehbare Tabelle fertigen

 

Wir sehen an dem zweiten Bild, dass hier in Rom, Santa Cecilia die Orgel bei 21,5 Grad Celsius auf 447 Hz eingestimmt wurde. Ändert sich die Temepratur nun auf sagen wir mal 15 Grad Celsius (tiefer geht das Thermomenter sowieso nie in Rom runter) dann muss sich der Stimmer zwischen 442Hz – 443Hz bei Stimmkorrekturen bewegen.

Am Stimmgerät ist das recht einfach:

    

Hier wird einfach die neue Frequenz festgelegt.

Gerade Mixturen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturänderungen. Und es stört wohl weniger, wenn das komplette Register leicht in Schwebung verfällt, während das Verstimmen einzelner Töne viel drastischer ins Gehör dringt. Das Verstimmen einzelner Töne kann mehrere Ursachen haben:

a) Mixturpfeifen eines Tones stehen auf einer gemeinsamen Stockbohrung. Jede Veränderung an dieser Bohrung ändert radikal den Windfluss in jeder einzelnen Pfeife. Daher müssen Mixturpfeifen abgesteckt werden, wenn man jede einzelne Pfeife stimmt. Falsch wäre, die Pfeifen aus der Bohrung zu heben, weil dann die anderen Pfeifen weniger Wind bekommen.

b) Wenn die Pfeifen nicht sauber intoniert sind. Daher ist es erforderlich alle Pfeifenreihen einzeln abzuhören, das heist die anderen müssen abgesteckt werden. Nur so hört man nicht nur die gleichmässige Lautstärke von Quinten und Oktavchören, sondern auch, ob die Pfeifen sauber ansprechen. Denn rein gestimmte Töne können nach wenigen Augenblicken in teuflische Verstimmungen wandeln, wenn sich eine kleine Pfeife in wild hustendes Obertongeplärr verzieht. Und mehrere solch verstimmte Mixturtöne lassen gar die ganze Mixtur verstimmt erscheinen.

c) Durch Einfluß von schneller Temperatur an einzelnen Pfeifen. Die Berührung einer Pfeife mit der Hand erfordert nahezu 10 Minuten Zeit, um das Pfeiflein wieder abgekühlt und damit wieder stimmbar werden zu lassen. Daher Faustregel: nie Mixturpfeien mit der Hand berühren, stimmen, und glauben, dass diese Stimmung lange hält. Ebenso verhält es sich mit mechanischer Bearbeitung an kleinen Pfeifen. Wird eine Pfeife heftig mit dem Stimmkonus behandelt, dann gehen Sie nach zehn Minuten wieder auf diesen Ton und kontrollieren die Stimmung.

d) Durch heftiges Stimmen werden oft Pfeifen deformiert. Meist so, dass zur weichen Seite, das heisst zum Labium hin der Pfeifenkörper sich krümmt. Daher wird der Aufschnitt verringert und die Pfeife bläst oft nur noch den Partialton. Das heisst es herauszuhören und zu korrigieren.

e) eine Faustregel ganz allgemein: wenn man eine Mixtur 5 fach oder mehr gestimmt hat, dann sollte man im ausgeruhten Zustand, also am nächsten Morgen nochmals das ganze durchgehen, am besten Oktaven anhalten und nach dieser Probe seine Korrekturen ziehen.

Als hervorragendes Werkzeug haben sich herausgestellt: die Stimmpinsel, welche die Firma Laukhuff vertreibt, ein Schneidewerkzeug, mit dem man kleine Mixturpfeifen abschneiden kann, ohne diese berühren zu müssen, Pfeifenreiniger (damit sind die Raucherpfeifen gemeint) es gibt hier die rot-weißen, die konisch geformt sind und beste Eigenschaften zum Abstecken kleiner Pfeifen besitzen.

mxitura02.jpg   tools1.jpg

Hier wird noch i.L. de  s Tages ein Video eingefügt, aus dem man die Klänge der 11fachen Mixtur schon einmal hören kann.

gewalcker@t-online.de bei ganz angenehmen Temperaturen noch in Rom (18 Grad) nächste Woche sollen wir immer noch mit 20-22 Grad verwöhnt werden, warum man hier in Rom noch bis in den Jänner seinen Dienst verrichten wird,

Links:

http://orgelromantik.aeoline.de/2010/07/06/mixtura-obscura/

http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/03/mixturen-in-der-spatromantik/

 http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/01/mixturen-und-ihre-zusammenstellungen-ab-1864/

http://orgelromantik.aeoline.de/2007/04/24/mixturen-eberhard-friedrich-walcker/

http://orgelromantik.aeoline.de/2007/04/23/stockholm-blue-hall-struktur-der-mixturen/

 http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/

Pfeifen bei Tamburini, das III.Manual in Rom 03

Sonntag, September 5th, 2010

Die Oboe 8 im III.Manual dieser Tamburini-Orgel in S.Cecilia dürfte eines der interessantesten Zungenregister der Orgel sein, vielleicht von Bombarde 16 ausgenommen. Daher habe ich die Aufzeichnungen hier ausführlich gemacht. Wir haben beim C einen konischen engen Kupferbecher mit einer Länge von 2140mm und Durchmesser von 65mm. Ab A sind die Becher mit einem doppelten Konus und Zinkstumpen, der auf dem nachfolgenden Bild aufgemessen wurde:

oboe-masse_becher.jpg

Weitere detailierte Maße kann man dem Eintrag in unserem Mensurenbuch entnehmen:

oboe_mens_buch.jpg

Hier sind weitere interessante Verarbeitungsdetails an den Bechern zu sehen:

oboe_becher.jpg   oboe_becher_oeffnung.jpg  oboe_becher_schlitz.jpg 

Der Aufwurf der Zunge ist hier etwas geringer als bei der Trompete

oboe_aufwurf.jpg

(gwm bei seiligen 25 Grad und einem bevorstehenden Spaziergang zum Piazza di Groce in Gerusalemme, wo man um diese Zeit nur spielende Kinder, ein paar Jogger, und selten ein paar marihuanarauchende Liebespäarchen antrifft)

Pfeifen bei Tamburini, das III.Manual in Rom 01

Mittwoch, September 1st, 2010

Mit den nachfolgenden Fotos beginne ich, das Pfeifenwerk der Orgel in SANTA CECILIA, ROMA, vorzustellen.

Das III.Manual hat zwei Schleifladen und separate elektrische Laden für Bourdon 16, Musette 16, Rankett 16. Wobei die von vorne ganz links gesehene Schleiflade (2) in drei Windladen aufgesteilt ist: in C und Cs und dann noch eine Fortsetzungslade ab g2 für die kleinen Pfeifen, an die man sehr ungünstig später zum Stimmen hinkommt.

Wir haben neben diesen kurzbechrigen Zungen, die nicht Jedermanns Geschmack sein müssen, aber auch eine enge Trompete (Tromba dolce 8) und eine Oboe 8 im Schwellwerk des III.Manuals, die wir in einem späteren Blog vorstellen.

Die Musette 16 kann ebenfalls von Pedal aus gespielt werden und ist unlogischerweise außerhalb des Schwellerkastens auf einer eigenen elektr. Kastenlade untergebracht und in C-Cs-Seite aufgestellt. Die Pfeifen haben extrem kurze Becher um 50cm beim C, was entsprechend reduzierten Grundton mit sich bringt. Aber der Klang ist mit 56mmWS ansprechend.

musette16.jpg  musette16_2.jpg

Der Bordon 16′ ist ein angenehmes Baßregister auf eigener Lade an der Schwell-Rückwand, das bis zum e1 in Holz dann in Metall gebaut wurde. Es werden daraus ins Pedal zwei Register transmittiert: Bourdon d’eco 16′ und  Bordon d’eco 8′ und im III. haben wir das Bordun 16′ bis g4 (also bei der Superkoppel geht es bis zum g4 nicht bis zum c5). Die großen Pfeifen sind hier als Bild nun nachgereicht.

bordone02.jpg   bordone03.jpg   bordone01.jpg  bourdon16_an_rueckwand.jpg

Eine Eigenart von Tamburini ist, dass er oft C-H bei größeren Registern in Kupfer fertigt. Dabei werden die Enden zur Lötnaht nicht aneinander gestossen und gelötet, sondern die Enden überlappen und werden so überlappt gelötet. Seltsam. Auch der Umstand, dass Stimmrollen nicht in Zinnlegierung eingesetzt werden, sondern es wird das Kupfer ausgeschnitten und gerollt, was verhaltenes Stimmen empfiehlt. Wir haben hier auch schon mehrere abgebrochene Stimmvorrichtungen reparieren müssen.

Hier also nun der Principalino 8′ (vielleicht werden wir bald belehrt, was das „palino“ bedeutet) der auf der zweiten Lade steht, wo wirklich extremer Platzmangel herrscht. Wir sehen an den Fotos auch, dass der Platz für Pfeifenansprache äußerst begrenzt ist.

Nach der Intonation, des hinter dem Principal liegenden Salicional, und späteren Einbau der Principalpfeifen, war der Klang des Salicional völlig verschwunden. Die tiefen Pfeifen summten nur noch verhalten in undefinierbaren Klanggespinsten. Der Grund dafür ist, wenn die Pfeifen zu wenig Platz haben, ihren Klang entfalten zu können. Ich erinnere an den Satz der Altmeisters Aristide Cavaillé-Colls, dass man in einer gut geplanten Orgel um jede Pfeife herumgehen können muss. Was mit hintersinniger Absicht natürlich etwas übertrieben formuliert war.

principalino_8.jpg  saliconal_und_principalino.jpg

gwm ( wir haben in Rom immer noch um 20:15 gute 24 Grad in den Straßen, aber leider auch unter dem Schreibtisch ein Heer von Stechmücken, weswegen es öfters während diesen Schreibarbeiten mal „klatsch“ gemacht hat)

Die Prospektpfeifen in Rom St Cecilia – Eoline 16 – das deformierte C

Montag, August 9th, 2010

Die Metamorphose dieser Pfeife möchte ich hier kurz anhand einiger Bilder zeigen.

Zunächst die Ausgangslage in Erinnerung rufen:

eoline_c.jpg

Heute morgen, schon um 8 Uhr wurden wir durch kräftiges Klopfen in hinteren Räumen aufmerksam gemacht. Zoltan hat den restlos deformierten Stumpf der C-Pfeife abgesägt und die Platte gerade gerichtet. Nun wurde sie mit dem Gummihammer weiter bearbeitet:

blech01.jpg blech02.jpg blech03.jpg blech04.jpg blech05.jpg

danach wurde die platt geklopfte Platte auf dem Rundeisen wieder neu geformt und gelötet

stumpf01.jpg  stumpf02.jpg  stumpf03.jpgd

der übrige Pfeifenkörper wurde zur Übernahme des fragwürdigen Pfeifenstumpfes bearbeitet:

pfeifenkoerper_ohne_stumpf.jpg

Dann wird noch der sehr stark lädierte Kern neu auf den Fuss aufgelötet – danach werden Fuß und Pfeifenkörper verlötet.

kern_fuss.jpg

und jetzt bleibt nur noch in die Pfeife reinzublasen und festzustellen, ob der gewünschte Eolinenton erschallt, was hier tatsächlich der Fall war und bei nächster Gelegenheit mit einem Soundfile bewiesen wird.

In jedem Falle sind hier schon zwei neue Raster für die Pfeife hergerichtet, damit sie auch ganz bestimmt nicht mehr in diese Schieflage gerät, aus der wir sie befreien mussten.

raster.jpg

und hier wieder alle vereint eingebaut:

eoline16.jpg

gwm

Die Prospektpfeifen in Rom St Cecilia – Eoline 16

Freitag, August 6th, 2010

Es ist schon eine seltsame Sache bei einer „Neobarokko“ eine Eoline 16 im Pedal vorzufinden.

Dieses Register wird als Eolina 16′ ins Pedal geschaltet und kann dann weiterhin dort über Transmission noch als Dolce 8′  registriert werden.

Die Basspfeifen in ganzer Länge sind wahrscheinlich schon Jahrzehnte nicht mehr ansprechbar und spielbar gewesen, weil das Material in sich zusammengesackt ist. Grund sind fehlendes zweites Raster und der Fehler, dass die Pfeifen mit dem Gewicht nur auf den Fuß gestellt waren, also nicht noch über die Raster entlastet wurden. Dem Fuß hat das nichts ausgemacht, wir wunderten uns sehr über diesen Umstand. Wurden aber schnell belehrt, dass dieser Fuß aus Zink gefertigt war mit einer Zinnfolie überzogen, was man nicht auf den ersten Blick erkennen konnte.

Hier ein Bild des Ton C

labfuss04_zinnfolie.jpg

Eine weitere  Sache, welche den Klang heftig beeinträchtigt ist der Umstand, dass die Kerne aus nahezu papierdünnem Material gefertigt sind, was jede ordentliche Intonation sehr einschränkt. Denn minimales Bewegen des Kernes, um die Ansprache zu Verbessern ist so ein Glückspiel. Hier ein vom Körper abmontierter Fuß, wo man den aufgerissenen Kern und das dünne Material erkennen kann:

pfeifenfuss-mit-kern.jpg  pfeifenfuss-mit-kern02.jpg  

Weitere Bildern von den größten 10 Pfeifen, die rechts, seitlich im Prospekt stehen:

eoline01.jpg    labfuss01.jpg  labfuss03.jpg  labfuss02.jpg

und am Ende noch unser Zoltan Darabont aus Ungarn, der sich mit der Reparatur der C-Pfeife, sein wahres Meisterstück geschaffen hat

zoltaneoline.jpg

gwm

Die Prospektpfeifen in Rom St Cecilia – Geigenprincipal

Dienstag, August 3rd, 2010

Dieses Thema werden wir wohl nicht mit einem einzigen Blog komplett abhandeln können.

Wie jeder schnell ermessen kann, haben wir hier in St.Cecilia eine sehr große Anzahl an Pfeifen im Prospekt. Darunter befinden sich originale Walcker-Pfeifen aus 1892, denen dieser Blog gewidmet ist.

Hier zunächst das Prospektbild, als diese Orgel von Walcker 1894 von Walcker mit 32 Register eingebaut wurde:

0536_rom_cecilia_alter-prospekt.jpg

Eine sehr einfache, schöne Gestaltung, die mit Sicherheit an römischer Baukunst orientiert ist und mit dieser historisierender Art vielleicht sogar von römischen Meistern gefertigt wurde. Der Prospekt ist dreiteilig. In der Mitte das Feld in dem einige Pfeifen des Geigenprincipal 8′ des II.Manuals sich befinden. Dieser ist allerdings in der Disposition nur als Principal deklariert. Wir sehen, dass die Labien im mittleren Teil gerade verlaufen, in den beiden äußeren Feldern leicht gebrochen ablaufen. Alle Labien sind rund.

Beim Neubau der Orgel im Jahre 1972-74 wurde vor dem Walcker-Prospekt ein neuer zusätzlicher Prospekt gebaut wurde(an bisherige Stelle des Prospektes, während der Walcker-Prospekt nach oben hinter den neuen Prospekt mit Spitzlabien gestellt wurde) und rechts und links Zubauten mit großen Pedalpfeifen, wie man das auf diesem Foto sehen kann. (Ausbau des mittleren Prospektes – hier also werden die Walcker-Pfeifen gerade ausgebaut).

abbau.jpg

Wie bei Walcker üblich haben sich die Pfeifenmacher auf Prospektpfeifen immer verewigt.

geigenprincipal.jpg

Außerdem haben wir eine eindeutige Markierung die das belegt, ebenfalls auf dem oberen Foto zu sehen.

Das Pfeifenmaterial ist extrem weich, kleinster Druck ergibt sofort unschöne Dallen, auch die Füße sind stark deformiert.

geigenprincipal3.jpg

Hier eine nähere Ansicht des Labiums, woran man erkennt, dass die Bärte stark zurückg gestutzt wurden. Interessant auch die Art und Weise, wie die Kernstiche gesetzt wurden. Die Fußlöcher sind auf Grund des jetzt vorliegenden geringen Winddruck erheblich aufgemacht worden.

geigenprincipal2.jpg

Hier das Meer der anstehenden Pfeifen – das ist noch nicht einmal die Hälfte aller Prospektpfeifen:

geigenprincipal4.jpg  prospektpfeifen_.jpg

da heisst es nur noch : drücken, drücken und nochmals drückenzoltan_repairs.jpg

gwm