Kernstiche

Manch einem gelten sie als das ausgesprochene Teufelswerk im Orgelbau, und anderen als Allheilmittel, um störende Pfeifengeräusche zu eliminieren. Besonders in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten waren Kernstiche passé. Dafür waren Diskussionen um offene Fusslöcher und Kernspaltenintonation an der Tagesordnung. So in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben sich die Ansichten in Sachen Intonationshilfen gewandelt. Auch die von anerkannten Altmeistern vorgenommenen Kernstiche, wie Andreas Silbermann, haben die Vorstellungen über radikale Ansichten gemildert.

Hier an unserer kleinen Serienorgel, Walcker Positiv „E“ – Canberra, Australien, war ich erstaunt beim Gemshorn und Rohrflöte eine völlig platte und fauchende, gehaltlose Intonation vorzufinden , so dass ich mich entschloss jenes“grundtonloses“ Zischen gegen maximale Klangkraft einzutauschen. Dafür sind drei Intonationsschritte erforderlich:

a) die Pfeifen müssen an Fuß und Kernspalte maximal geöffnet werden

b) das Oberlabium muss sehr weit herausgehoben werden

und last not least c) der Kern muss einige Kernstiche erhalten, beim Gemshorn 8 bis etwa c“. Mit den Kernstichen wird der runde, volle Ton begünstigt, Anblasgeräusche werden minimiert.

Wir haben an dieser Orgel 65mm Winddruck, der Aufschnitt war bereits sehr hoch angelegt, die Klangstärke der Basspfeifen war auch wegen der viel zu engen Mensur unbefriedigend schwach. Das wurde durch die obigen Maßnahmen verbessert. Besonders in der Mittellage sind die Pfeifen wesentlich frischer in Erscheinung getreten.

Kernstiche sind bei diesem niedrigen Winddruck nur verhalten anzubringen, aber erforderlich. Man beginnt am besten in der Mitte des Kerns einen kleinen Stich mit diesem bei Laukhuff erhältlichen Kernstichmesser. Dann setzt man vielleicht noch zwei links und rechts. Eher etwas vorsichtiger eindrücken. Weil bei zu starkem, Eindruck der gegenteilige Effekt eintreten kann, nämlich, dass die Pfeife zu zischen beginnt.

dsc_0178.jpg gwm.jpg rohrfloete.jpg

Das erste Bild zeigt die Kernstiche mit dem Kernstichmesser, das zweite meinen ARbeitsplatz in Australien und das dritte die Rohrflöte im Vordergrund, dahinter Gemshorn. Man beachte die extrem enge Mensur an den rechten Pfeifen gut erkennbar.

gwm

Canberra 1.4.09 19Uhr43


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