Cor anglais in der Schyven-Orgel zu San José

Das Cor anglais 8′ im II.Manual (Positif) der dreimanualigen, mechanischen Schyvenorgel war mindestens seit 50 Jahren unspielbar. Und es ist auch jetzt nicht unbedingt ein ausgeglichenes Musterbeispiel für durchschlagende Zungen. Aber wir konnten in Anbetracht sehr begrenzter Zeit wenigstens die unteren drei Oktaven zu sprechen bringen. Leider fehlen im Diskant einige Pfeifen, so dass hier noch Nacharbeit erforderlich ist.

Das Cor anglais hat als Vorbild das Englischhorn und es wäre auch angemessen, wie bei dem Orchesterinstrument die Becher des Pfeifenregisters mit doppelkonischen Aufsatz zu gestalten. Schyven hingegen hat nur einfache, konische Becher verwendet. In den unteren beiden Oktaven sind die Stiefel aus rechtwinkligen Holzkästen, die mit einem dünnen Holzrohr in den Stock führen. Auf diesen Holzkästen sitzen Nuß und darauf die Becher. An den Bechern haben sich vergangene Orgelbauer abgearbeitet, was jedoch ohne Bedeutung bleiben sollte. Einige der durchschlagenden Zungen waren stark verbogen. Von Schyven selbst stammen sehr schlecht gefertigte Kehlen mit aufgebrachten Platten, die sich gelöst haben. Die Einpassung der Zungen mit nur einer Schraube ist eigentlich ein elementarer Konstruktionsfehler – weil nur zehntel Millimeter Verschiebung reichen, um die Zunge nicht mehr ansprechen zu lassen. Die Zungen jedoch sind aus gutem Material und sprechen ganz gut an  – im Gegensatz zu seinen aufschlagenden Zungen in den Trompeten, die so ziemlich alle bis heute ersetzt werden mussten.

Hier nun einige Bilder zum Thema:

eine Ansicht der Zungenpfeifen, im Vordergrund befindet sich ein neues Register „Clarinette“ aus den USA, dahinter mit Holzstiefel und konischen Becher die Pfeifen der Cor anglais 8′

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auf diesem Bild: Kehle, Keil, Schraube und Zunge.

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auf den kommenden drei Fotos mein Hauptkritikpunkt dieser Schyven-Konstruktion, nämlich die schlecht aufgebrachte Platte auf die Kehle, welches viele Pfeifen auf Jahrzehnte zum Schweigen brachte:

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Und an diesem Foto zeigt sich ein konstruktives Problem. Wären, wie bei anderen durchschlagenden Zungen üblich, die Zungen mit zwei Schrauben befestigt, so kann die Zungen nicht verschoben werden, wie hier auf dem Bild:

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gwm 06.06.16

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