Das Geheimnis der Walckerschen Concertfloete in Cairo

Es war ein hartes Stück Arbeit, bevor wir irgendeinen Ton dieses seltsamen Registers hören konnten.

Der Stock der Töne C-H war zersägt worden, etwa 4 Pfeifen aus der Mittellage fehlten, und wie allgemein bekannt, waren alle Relais und ein erheblicher Teil der Windladen-Unterbretter zerstört. Die Holzpfeifen C-f erklangen übel gelaunt, als man sie das erste mal anspielte, weil die Pfeifen sich gegenseitig anbliesen und Klangentwicklung unmöglich machten. Wir mussten also neue, verlängerte Pfeifenfüsse in Cairo fertigen lassen, was mich durch die sehr gute Fertigung überraschte.

C-f  Holz, innenlabiert, mit einem offenen, tragenden und runden Holzklang, warm und wunderbare Unterlage für alle weiteren Register.

fs-f‘, Metall, relativ weitere Flötenmensur, mit Aufschnitten ca 1/5LB, also recht nieder, auf der Lade und um den Spieltisch recht zurückhaltender Ton, im Raum aber durchdringend, tragend

fs‘-a4, Metall, überblasend, doppelte Länge, ebenfalls ein Klang, der sich im Raum entwickelt und mit den anderen Register wundervolle Synthesen eingeht. Der Anblaston ist bei einer Traversflöte eine Idee stärker, daher ist dieses Register universeller einsetzbar. Mit der Superkoppel bekommt die Concertflöte eine weitere, tiefere Dimension. Es ist hier, als käme etwas Glanz dazu, weniger der Kraftzuwachs.

Wird die Concerflöte mit der Gambe zusammen gespielt, entsteht der Eindruck, als habe man ein schwaches Zungenregister im Hintergrund dazu gesetzt.

concertrloete.jpg   bild04.jpg   concertfloete-c.jpg   bild04a.jpg    concertfloete-f.jpg

Offensichtlich gab es um die Jahrhundertwende eine erste Schreibreform in Deutschland. Wir sehen hier die alte Schreibweise mit „C“oncert, während an der Walcker-Orgel für Michaeliskirche Hamburg eine radikale Eindeutschung der Registerschreibweisen durchgeführt wurden, die bei den gravierten Registerschildern und Dokumentationen auftreten, also „K“onzertflöte. Hingegen finden wir bei den Pfeifenstempeln und bei den beschrifteten Orgelteilen der Arbeiter meist die alten Schreibweisen.

Karl Lehr schreibt, dass er selten eine so schöne Konzertflöte, wie die von Walcker im Wormser Festhaus gehört habe: gehaltvoller Ton, gesättigt, rund und edlem Ton, bei dem der Flötencharakter in vorzüglicher Weise nachgeahmt wird. Auch Oscar Walcker erwähnt so ganz nebenbei und in tiefer Bescheidenheit, dass die Flöten der Deutschen (und da meint er Walcker) unschlagbar gegen die anderer Nationen sei, erwähnt aber die vorzüglichen Principale und Zungen der Engländer (die Zungen der Franzosen hat er natürlich nicht erwähnt).

Hier das Video zu diesem Blog mit dem sound der herrlichen Concertlfloete-Gambe-Combination:

gwm 19.2.2012 in Cairo

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2 Kommentare zu Das Geheimnis der Walckerschen Concertfloete in Cairo

  1. Digedag sagt:

    Meint ihr die Stadt Cairo in Ägypten?

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