Archive for the ‘Mixturen’ Category

Mixtura 14fach und andere Gemeinheiten

Samstag, Oktober 16th, 2010

Sehr oft wird man belehrt, dass das Wissen um Mixturen, dem geheimnisvollen Stoff aus dem die großen Tutti- und andere Plenen bestehen, ein ebensolch großes Rätsel bleibt. Auch wenn heutzutage alle Welt von Wissen redet.

 
(an diesem Bild sehen wir in erster Reihe den Principal 8′ von Walcker, das Prospektregister, dann die Mixtur 4fach, dann 1′ und 1 1/3′, Mixtur 5 fach allesamt im Hauptwerk der Tamburini-Orgel in Rom, Santa Cecilia)

Wer, wie ich, drei, vier Tage nur mit Stimmen der  weniger geheimnisvollen „ranks“ der Grand Orgue der Tamburini in Rom, Santa Cecilia, beschäftigt ist, macht sich während und nach der Arbeit,wenn ihm der Kopf noch gehörig klingelt, so seine Gedanken:

Im Hauptwerk nämlich dieser Orgel haben wir eine gigantische Mixtur bestehend aus Ripieno 5 fach und Ripieno 4 fach basierend auf 2′ und 1 1/3′. Dazu kommen Einzelchöre wie 2 2/3′, 2′, 1 3/5′, 1 1/3′ und 1′, also  14 Pfeifenreihen mit syntetischen Obertönen zum 8′.

Die Einzelchöre können wir per Schleifenzug ab+ anschalten, während wir beim Intonieren und Stimmen dieser Mixtur(en) die beiden 4 und 5 fachen Ripienis nicht getrennt betrachten können.

Mixturen stellen, wie oben gesagt, die Partialtöne des Prinzipals des  jeweiligen Manuals dar.

Der 1.Teilton ist der Grundton  beim 8′ ist das der 8/1= 8′, der 2.Teilton ist 8/2= 4′, der 3.Teilton  8/3= 2 2/3, der 4.Teilton 8/4= 2′, der 5.Teilton 8/5= 1 3/5′ etc., ein lückenloses Teiltonschema beim 8′ beginnt also mit 4′, 2 2/3′, 2′, 1  3/5′, was wir mit entsprechender Mensur als Cornett erkennen würden. Durch das Weglassen von bestimmten Teiltönen bekommt die „Mixtur“ ihre spezielle Note. Den 2. Partialton haben wir eigentlich bei jeder Orgel in Form einer Oktave (8, 4, 2) vorliegen. Die Terz hat man gerne separat, da sie eine körnige Spezialität mit in die Mixtur einfliessen lässt, die nicht immer erwünscht ist. (dieses einfache Dividieren kann man ebenso mit dem 32′ machen, als 2.Partialton 32/2= 16′, 32/3= 10 2/3′ etc.)

Damitzeigt sich die Big Mixture  desHauptwerks wie folgt:

Hier in diesem Blog möchte ich einige wichtige Details zur Intonation und Stimmung der Mixturen einbringen.

Mixturen sind nicht einfach zu stimmen. Zumindest gehört einige Erfahrung dazu, mindestens das hier nachfolgend aufgeführte Minimalwissen.

Vor Stimmung einer Mixtur muss geklärt werden bei welcher Temperatur die Orgel zu welcher Frequenz eingestimmt wurde. Wir gehen normalerweise von 440Hz bei 18 Grad Celsius aus. Wie verhält sich nun der Stimmer, wenn andere Temperaturen vorliegen? Ich habe eine Drehscheibe verfertigt, mit der die geänderte Wärme-Temperatur und der Stimmton in Hz (Hertz) eingestellt und dann kopiert wird. Dieses Blatt kommt gut sichtbar in die Orgel und kann jederzeit zur Überprüfung herangezogen werden. Wer Lust hat kann sich aus dem nachfolgenden Foto selbst eine solche drehbare Tabelle fertigen

 

Wir sehen an dem zweiten Bild, dass hier in Rom, Santa Cecilia die Orgel bei 21,5 Grad Celsius auf 447 Hz eingestimmt wurde. Ändert sich die Temepratur nun auf sagen wir mal 15 Grad Celsius (tiefer geht das Thermomenter sowieso nie in Rom runter) dann muss sich der Stimmer zwischen 442Hz – 443Hz bei Stimmkorrekturen bewegen.

Am Stimmgerät ist das recht einfach:

    

Hier wird einfach die neue Frequenz festgelegt.

Gerade Mixturen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturänderungen. Und es stört wohl weniger, wenn das komplette Register leicht in Schwebung verfällt, während das Verstimmen einzelner Töne viel drastischer ins Gehör dringt. Das Verstimmen einzelner Töne kann mehrere Ursachen haben:

a) Mixturpfeifen eines Tones stehen auf einer gemeinsamen Stockbohrung. Jede Veränderung an dieser Bohrung ändert radikal den Windfluss in jeder einzelnen Pfeife. Daher müssen Mixturpfeifen abgesteckt werden, wenn man jede einzelne Pfeife stimmt. Falsch wäre, die Pfeifen aus der Bohrung zu heben, weil dann die anderen Pfeifen weniger Wind bekommen.

b) Wenn die Pfeifen nicht sauber intoniert sind. Daher ist es erforderlich alle Pfeifenreihen einzeln abzuhören, das heist die anderen müssen abgesteckt werden. Nur so hört man nicht nur die gleichmässige Lautstärke von Quinten und Oktavchören, sondern auch, ob die Pfeifen sauber ansprechen. Denn rein gestimmte Töne können nach wenigen Augenblicken in teuflische Verstimmungen wandeln, wenn sich eine kleine Pfeife in wild hustendes Obertongeplärr verzieht. Und mehrere solch verstimmte Mixturtöne lassen gar die ganze Mixtur verstimmt erscheinen.

c) Durch Einfluß von schneller Temperatur an einzelnen Pfeifen. Die Berührung einer Pfeife mit der Hand erfordert nahezu 10 Minuten Zeit, um das Pfeiflein wieder abgekühlt und damit wieder stimmbar werden zu lassen. Daher Faustregel: nie Mixturpfeien mit der Hand berühren, stimmen, und glauben, dass diese Stimmung lange hält. Ebenso verhält es sich mit mechanischer Bearbeitung an kleinen Pfeifen. Wird eine Pfeife heftig mit dem Stimmkonus behandelt, dann gehen Sie nach zehn Minuten wieder auf diesen Ton und kontrollieren die Stimmung.

d) Durch heftiges Stimmen werden oft Pfeifen deformiert. Meist so, dass zur weichen Seite, das heisst zum Labium hin der Pfeifenkörper sich krümmt. Daher wird der Aufschnitt verringert und die Pfeife bläst oft nur noch den Partialton. Das heisst es herauszuhören und zu korrigieren.

e) eine Faustregel ganz allgemein: wenn man eine Mixtur 5 fach oder mehr gestimmt hat, dann sollte man im ausgeruhten Zustand, also am nächsten Morgen nochmals das ganze durchgehen, am besten Oktaven anhalten und nach dieser Probe seine Korrekturen ziehen.

Als hervorragendes Werkzeug haben sich herausgestellt: die Stimmpinsel, welche die Firma Laukhuff vertreibt, ein Schneidewerkzeug, mit dem man kleine Mixturpfeifen abschneiden kann, ohne diese berühren zu müssen, Pfeifenreiniger (damit sind die Raucherpfeifen gemeint) es gibt hier die rot-weißen, die konisch geformt sind und beste Eigenschaften zum Abstecken kleiner Pfeifen besitzen.

mxitura02.jpg   tools1.jpg

Hier wird noch i.L. de  s Tages ein Video eingefügt, aus dem man die Klänge der 11fachen Mixtur schon einmal hören kann.

gewalcker@t-online.de bei ganz angenehmen Temperaturen noch in Rom (18 Grad) nächste Woche sollen wir immer noch mit 20-22 Grad verwöhnt werden, warum man hier in Rom noch bis in den Jänner seinen Dienst verrichten wird,

Links:

http://orgelromantik.aeoline.de/2010/07/06/mixtura-obscura/

http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/03/mixturen-in-der-spatromantik/

 http://orgelromantik.aeoline.de/2008/11/01/mixturen-und-ihre-zusammenstellungen-ab-1864/

http://orgelromantik.aeoline.de/2007/04/24/mixturen-eberhard-friedrich-walcker/

http://orgelromantik.aeoline.de/2007/04/23/stockholm-blue-hall-struktur-der-mixturen/

 http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/

Mixturen in der Spätromantik

Montag, November 3rd, 2008

Hier haben wir ein mustergültiges Instrument, das ich in einem anderen Blog mit der Walzeneinstellung schon vorgestellt habe: die 1915 für Rotterdam gebaute Walcker-Orgel, Opus 1855. Sie steht heute in Doesburg NL mit III/75. Ob allerdings diese Mixturen, wie ursprünglich geplant und gebaut, heute noch in der Orgel sind, ist fraglich. Wer solch ein Instrument plant wird überrascht sein, wie einfach und klar diese Konzeptionen sind.

Die Bezeichnung „Silbermann“ bei Walcker, hat Markus Zepf festgestellt, könnte aus restaurierten Orgeln stammen, die nicht von (Andreas) Silbermann sind, sondern von den Restauratoren am beginnenden 19.JH. .

Ich vermute, dass der normale Widdruck bei 90-95mmWS lag. Sicher ist der Winddruck bei den Zungen im I. und II. Manual bei 110mmWS, was im Arbeitsbuch vermerkt ist.

I.Manual Cornett 8′, Mensur Silbermann

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

I.Manual Mixtur 2′, 5fach

C: 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2

c: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“‘: 8 – 8 – 4 – 2 2/3 – 2

II.Manual Cornettino 4′, 3-4fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

cs“‘ – 8 – usw

II.Manual Großmixtur 4′, 5-7fach (wurde später geändert)

C: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 1/2

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5 (so ist das richtig, unten verdickt das nur)

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

III.Manual Cymbel 2′, 3-4fach, Silbermann Mensur

C: 2 – 1 1/3 – 1

c: 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 4 – 2 2/3 – 2

IV.Manual Glockenton 3-4fach, Mens. Silbermann

C: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c‘: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c“‘: 2 2/3 – 2 2/7 – 2 – (1 ?)

Es gibt noch eine Pedalmixtur, wo ich die Zusammensetzung nicht gefunden habe.

(gwm) 3.11.08

Mixturen und ihre Zusammenstellungen ab 1864

Samstag, November 1st, 2008

Wie wichtig diese Zusammenstellungen für einen runden Tuttiklang sind, haben wir jetzt erst wieder erleben können an unserer Orgel in Bukarest, wo die Mixtur im SW auf 2′ beginnt und weit runder und weicher ins Tutti tritt als die anderen Mischungen, die höher liegen.

Nun beginnen wir einfach mal mit einer Orgel, die um „Mühlhausen Op 220“ angesiedelt ist, und die Albert Schweitzer als eine der klangschönsten Instrumente bezeichnet hat, die ihn zum Orgelspiel hinführte.

OPUS 216 Tettnang eingetragen 24.2.1864 (II/24)

Mixtur 5 fach verbunden mit Quint (das heisst die Quinte 2 2/3 kann separat gespielt werden. Wenn die Mixtur gezogen wird, ist die Quint aber immer dabei.)

Hier nun in der Schreibweise von Eberhard Friedrich Walcker, bezogen auf den Repetitionspunkt, also das aktuelle c

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5 – 1/2

c‘: 2 – 2/3 – 1 – 1/2 – 2/5

c“: 1(offen) – 1/2 – 1/3 – 1/4- 1/5

c“‘: 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/10

dasselbe nochmals in neuer Schreibweise Bezugspunkt ist das große C

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 4- 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1

c‘: 8 – 2 2/3 – 4 – 2 – 1 3/5

c“: 8 (offen) – 4-2 2/3 – 2- 1 3/5

c“‘: 8- 4 – 2 2/3- 2 – 1 3/5

Von Mühlhausen Opus 220 liegen mir leider keine Zusammenstellungen vor. Ich erinnere mich aber an verschiedene andere Mensurblätter, die gelegentlich hier gezeigt werden. Dafür gibt es aber

Opus 253 Habkirchen vom 31.Aug. 1869 (I/12)

Mixtur 2 2/3 – 3fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/6 – 1/8 – 1/10

Opus 254 Groß Engstringen vom 13.9.1869 (I/15)

in diese Zeit fällt der Umstand, dass man vermehrt Aeolinen anstatt Dolcen als schwächste Streicher bei Walcker vorfindet. Hier war die Dolce noch eingeplant, wurde durchgestrichen und durch Aeoline ersetzt.

Mixtur 2 2/3 – 4fach (typische Mixtur von EFW bei kleineren Orgeln, wo wir die landläufige Regel, dass Mixturen auf 1 1/3 oder auf dem 2′ im letzten Ton enden, weil man höher kaum noch stimmen kann, bestätigt finden. Außer bei den kleinen Orgeln, da endet die Mixtur auf der Terz 1 3/5′. Wir werden also bei solchen Mixturen zum Diskant hin eine Abschwächung wahrnehmen) Die konsequente Einhaltung, dass nur auf den c-Tönen repetiert wird, ist für den Stimmer ein Segen, und meines Erachtens auch kaum mit einem schönen Principal 8′ zusammen hörbar.

C: 2 2/3- 2 – 1 3/5- 1

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 1 – 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/2 – 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/4 – 1/5 – 1/6 – 1/8

(gwm) 1.11.08

siehe hierzu auch: http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/

Mixturen Eberhard Friedrich Walcker

Dienstag, April 24th, 2007

Die Zusammensetzungen bei Eberhard Friedrich Walcker sind noch nie gründlich analysiert worden. Rudi Schäfer hat einen Ansatz dazu gemacht im Sonderheft „organ“, der aber a) die Entwicklung des Meisters nicht berücksichtigte und b) die Zusammensetzung der Mixturen nicht im Kontext zum Prinzipalaufbau bewertete.

Denn entscheidend ist ja, ist ein Principal 16′ im Hauptwerk oder nur ein 8′, worauf sich die Mixturenzusammensetzung gründet. Eberhard Friedrich hat Mixturen grundsätzlich intensiver mit Terzen gestaltet und die Mixturen recht tief gelegt. Dadurch werden diese Stimmen nie penetrant. Septimen hat er überhaupt nicht verwendet.

Bei der Entwicklung meine ich eine Zunahme der 32′ Teiltöne festzustellen im fortgeschrittenen Alter, und vielleicht eine Häufung von Terzen. Man müsste natürlich wissen wie stark oder weniger stark diese Register intoniert waren.

efw_mixturen.pdf

Stockholm Blue Hall- Struktur der Mixturen

Montag, April 23rd, 2007

Wer je in Verlegenheit war, die richtige Mixturenzusammensetzung bei der Restaurierung großer Orgeln zu finden, der weiß was es wert ist, auch nur angenäherte Werte dafür herzubekommen. Hier haben wir exakte Zusammensetzungen aller Mixturen einer der größten Walcker-Orgeln die es heute noch gibt. Ich war erstaunt genug hier einige hochinteressante Septimen in einigen Mixturen zu finden, wo man es nie erwartet hätte.

Eine Fundgrube für Spezialisten und Freunde der „bewegten“ Orgelromantik. (gwm)
stockhlm-mixturen.pdf