Diese Liste von verschiedenen Registern Walckers aus 1908 dokumentiert sehr schön, welche Mensuren Walcker verwendete. Etwa ab 1902 kam ein gewisser Schematismus auf, der in dieser Liste gipfelte und der zeigt, dass hier sehr “einfach” gehandhabt wurde. In Verbindung mit unserer auf aeoline aufgeführten Walcker-Mensurliste ( Walcker Normalmensur 1908 und 1950) kann man so recht simpel alle Pfeifen der romantischen Walcker-Orgeln rekonstruieren. Weitere Listen (der 4′, Holz-und Zungenpfeifen) sind noch bekannt und werden gelegentlich hier gezeigt.
walcker1908_01.pdf
Vor zwei Wochen wurde ich von einem Orgelbauer nach Maßen und Bauweise jener “spanischen Konstruktionen” befragt. Es gäbe kaum Hinweise in der Fachliteratur.
Um was geht es?
Dort, wo man nur geringe Höhe hat, aber auf offene Pfeifen nicht verzichten will, kann man über jene “spanische Konstruktionen” die Labialpfeifen mit halber Länge bauen. Ein Rohr wird in den Pfeifenkörper eingebaut, so dass die ursprüngliche Pfeifenlänge bestehen bleibt.
Diese Konstruktion hat Walcker oft angewandt besonders in der Zeit 1920 bis 1940. Nach dem II. Weltkrieg ist es dann m.W kaum noch von unserer Firma gemacht worden. Obwohl auf diese Weise sogar konische Pfeifen “gekröpft” werden können, was allerdings nicht einfach ist. Wie man an dieser Zeichnung sieht:
Interessant ist, dass man sogar 16′ Pfeifen auf 8′ Länge machen kann, und wie man auf der nachfolgenden Tabelle Oscar Walckers sieht, waren offensichtlich gerade die großen Oktaven der Streicher und Prinzipale im Visier der “spanischer Konstruktionen”.
(gwm)

Die Zusammensetzungen bei Eberhard Friedrich Walcker sind noch nie gründlich analysiert worden. Rudi Schäfer hat einen Ansatz dazu gemacht im Sonderheft “organ”, der aber a) die Entwicklung des Meisters nicht berücksichtigte und b) die Zusammensetzung der Mixturen nicht im Kontext zum Prinzipalaufbau bewertete.
Denn entscheidend ist ja, ist ein Principal 16′ im Hauptwerk oder nur ein 8′, worauf sich die Mixturenzusammensetzung gründet. Eberhard Friedrich hat Mixturen grundsätzlich intensiver mit Terzen gestaltet und die Mixturen recht tief gelegt. Dadurch werden diese Stimmen nie penetrant. Septimen hat er überhaupt nicht verwendet.
Bei der Entwicklung meine ich eine Zunahme der 32′ Teiltöne festzustellen im fortgeschrittenen Alter, und vielleicht eine Häufung von Terzen. Man müsste natürlich wissen wie stark oder weniger stark diese Register intoniert waren.
efw_mixturen.pdf
Wer je in Verlegenheit war, die richtige Mixturenzusammensetzung bei der Restaurierung großer Orgeln zu finden, der weiß was es wert ist, auch nur angenäherte Werte dafür herzubekommen. Hier haben wir exakte Zusammensetzungen aller Mixturen einer der größten Walcker-Orgeln die es heute noch gibt. Ich war erstaunt genug hier einige hochinteressante Septimen in einigen Mixturen zu finden, wo man es nie erwartet hätte.
Eine Fundgrube für Spezialisten und Freunde der “bewegten” Orgelromantik. (gwm)
stockhlm-mixturen.pdf

Der Klang dieser kleinen Orgel in den Highlands von Schottland ist ganz hervorragend. Es soll noch rund 35 solcher Walcker-Orgeln in der Scotish-Churches geben.
Ein typisches Register ist die Clarabella, die wie man sieht schon ähnlich der Traversflöte oder Philomela angeblasen wird und in diese Richtung hin klingt. Hier sind die Kernstiche nicht am kern sondern auf dem Vorschlag

Eine Flauto dolce von Walcker aus 1904 mit allen markanten Details

und hier einer der Walckerschen Pfeifenstempel

etwas verwundert war ich über die extra dicken Pfeifenbärte des Principal - aber ich konnte es mehrfach dort auf den Highlands beobachten - offenbar eine englische Manier

Wir haben im Orgelbau bekanntlich durchschlagende Zungen, die wir unterteilen in “Harmonium-Register” und in sogenannte “Clarinettenregister”. Genaueres steht auf aeoline.de unter Zungen, durchschlagende. Hier möchte ich ein solches “Clarinettenregister” zeigen, das noch vielfach Anwendung findet. Diese Register sind näher an den “normalen” Zungenregistern dran, in Klang, Lautstärke und Stimmhaltung. Durch das Durchschlagen der Zunge fehlen markante Teiltöne und der Ton ist weicher.
Am nachfolgenden Bild erkennt man die “Bremse” für die Stimmkrücke.

Die Zungenbecher sind einfache Zylinder mit Drehdeckeln wie man es auch bei “Cromorns” oder “Zinken” antrifft.

Hierzu haben wir ein wunderschönes Klangbeispiel : an der Walcker-Orgel von 1900 in Essen Werden, im II.Manual, Clarinette.mp3
Aeoline.de ist bereits eine wichtige Datenbank, des so es ist weiter gehen muss.
Hier kann es interaktiv gehen.
Ich denke, Aeoline sollte zu englische romantische Stimmen erweitert werden, dass in England herrscht heutzutage Katastrophe. Tuba, Tromba, belederte Diapason & Co sind rasch verschwindend, dass dort wollen die Leute nun nur Rauschpfeife, Chamaden, Schnarrwerk des rauerer Art usw, wie es auf das Kontinent 1970 der Fall war.
Vielen Grüsse,
Pierre Lauwers
Die vielen Nachträge der letzten Zeit haben das Gesamtbild von aeoline.de eigentlich nicht bereichert, sondern es geht eher dorthin, dass alles unübersichtlicher wurde. Diesem Zustand wollen wir mit der hier erscheinenden Aktualisierung ein Ende bereiten und wir hoffen, dass man i.L. der Zeit mit Kommentaren und Hinweisen, was es sonst noch alles auf dem Web gibt, ein interessantes, sich weiterentwickelndes Medium hier hinbekommt.
in diesem Blog sollen Pfeifenregister in Klang und Bild gezeigt werden. Mir noch nicht ganz klar, wie es sich entwickelt. Wichtig natürlich, dass auch Kommentare und Ideen von anderen dazukommen.
Hier also zuerst einmal das wichtige Thema “durchschlagende Zungen” zu bereichern, habe ich die Kauffmann-Zunge aus Wien eingebracht. Wir haben irgendwo ein Musikstück wo man diese Zunge hören kann. Wird sich noch finden.
Wichtig bei dieser Zunge ist, dass nur im Bereich von Schraube bis Zunge, der Stimmschieber sich bewegt.