Dallen in Pfeifen beseitigen

Bei jeder Ausreinigung, ja, fast bei jeder größeren Wartung, nach Transporten und nach den vielen kleinen, alltäglichen Unfällen an Pfeifenorgeln finden wir sie: die hässlichen Dallen, oft an Prospektpfeifen, noch öfters an unsichtbaren, dünnwandigen Ladenpfeifen.

Einmal also ist es ein ästhetisches Problem, das uns gebietet, diesen Ent-formungen der schön polierten Pfeifen zu entgegenen, dann aber ist es auch ein Klangproblem, das auf Pfeifen zukommt, die mit Dallen verformt sind. Weitere Reparaturmaßnahmen in diesem Zusammenhang muessen getroffen werden an den Stimmvorrichtungen, die in jedem Fall genau so wie Dallen behandelt werden,  aber anschliessend gelötet werden müssen. Und bei Prospektpfeifen sind es oft Kratzer die beseitigt werden müssen, was am einfachsten mit feinster Stahlwolle geschieht. Die feinen Kratzschliffe dieser Stahlwolle kann man danach mit Silberpoliermittel beseitigen. All  dies sollte man an historischen Pfeifenmaterial jedoch grundsätzlich unterlassen.

Zuerst das Werkzeug, das man in Australien braucht, denn hier kann man nicht mit einer Pfeifenwerkstatt anreisen:

es sollte ein Weissbuche oder Weichholzbrett besorgt werden und eine Eisenstange, die möglichst nahe an den Durchmesser der zu reparierenden Pfeife herankommt. Diese Eisenstange wird an einem Ende in einen Holzklotz gespannt und ist vorne offen, um die Pfeife dort einzuführen. Hierzu zwei Bilder:

02_das_werkzeug.jpg 02a_werkzeug_mit_bank.jpg

Man sollte zunächst eine gewisse Praxis mit dem Klopfholz an alten Pfeifen erwerben. Wichtig ist, dass die Eisenstange völlig glatt und das Klopfholz frei von Ecken und Kanten ist.

Hier nun die feindliche Stelle, die mit Schlägen des Holzes ausgebügelt werden soll:

01_deformierte_pfeife.jpg

Vorsicht: das Wichtigste ist, dass man mit dieser Arbeit oft mehr Dallen mit dem Ende der STange in die Pfeife einbringt, als diese ohnehin schon hat. Sehr vonb Übel ist es, wenn dieses Ende die empfindlichen Stellen wie Labium und Kern malträtieren. Daher also zuerst ein paar alte Pfeifen restlos entsorgungssicher bearbeiten.

03_vorsicht.jpg

Hier das Ergebnis, das ich bei rund 120 Pfeifen hier in Canberra bewerkstelligen musste:

04_rundierter_koerper.jpg

denn die Federkraft der Stimmschieber war einfach zu stark, was nach Jahren jene Deformationen hervorrief.

gwm 14.April 09

Canberra

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