Mixturen in der Spätromantik

Hier haben wir ein mustergültiges Instrument, das ich in einem anderen Blog mit der Walzeneinstellung schon vorgestellt habe: die 1915 für Rotterdam gebaute Walcker-Orgel, Opus 1855. Sie steht heute in Doesburg NL mit III/75. Ob allerdings diese Mixturen, wie ursprünglich geplant und gebaut, heute noch in der Orgel sind, ist fraglich. Wer solch ein Instrument plant wird überrascht sein, wie einfach und klar diese Konzeptionen sind.

Die Bezeichnung „Silbermann“ bei Walcker, hat Markus Zepf festgestellt, könnte aus restaurierten Orgeln stammen, die nicht von (Andreas) Silbermann sind, sondern von den Restauratoren am beginnenden 19.JH. .

Ich vermute, dass der normale Widdruck bei 90-95mmWS lag. Sicher ist der Winddruck bei den Zungen im I. und II. Manual bei 110mmWS, was im Arbeitsbuch vermerkt ist.

I.Manual Cornett 8′, Mensur Silbermann

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

I.Manual Mixtur 2′, 5fach

C: 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2

c: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“‘: 8 – 8 – 4 – 2 2/3 – 2

II.Manual Cornettino 4′, 3-4fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

cs“‘ – 8 – usw

II.Manual Großmixtur 4′, 5-7fach (wurde später geändert)

C: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 1/2

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5 (so ist das richtig, unten verdickt das nur)

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

III.Manual Cymbel 2′, 3-4fach, Silbermann Mensur

C: 2 – 1 1/3 – 1

c: 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 4 – 2 2/3 – 2

IV.Manual Glockenton 3-4fach, Mens. Silbermann

C: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c‘: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c“‘: 2 2/3 – 2 2/7 – 2 – (1 ?)

Es gibt noch eine Pedalmixtur, wo ich die Zusammensetzung nicht gefunden habe.

(gwm) 3.11.08

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Mixturen und ihre Zusammenstellungen ab 1864

Wie wichtig diese Zusammenstellungen für einen runden Tuttiklang sind, haben wir jetzt erst wieder erleben können an unserer Orgel in Bukarest, wo die Mixtur im SW auf 2′ beginnt und weit runder und weicher ins Tutti tritt als die anderen Mischungen, die höher liegen.

Nun beginnen wir einfach mal mit einer Orgel, die um „Mühlhausen Op 220“ angesiedelt ist, und die Albert Schweitzer als eine der klangschönsten Instrumente bezeichnet hat, die ihn zum Orgelspiel hinführte.

OPUS 216 Tettnang eingetragen 24.2.1864 (II/24)

Mixtur 5 fach verbunden mit Quint (das heisst die Quinte 2 2/3 kann separat gespielt werden. Wenn die Mixtur gezogen wird, ist die Quint aber immer dabei.)

Hier nun in der Schreibweise von Eberhard Friedrich Walcker, bezogen auf den Repetitionspunkt, also das aktuelle c

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5 – 1/2

c‘: 2 – 2/3 – 1 – 1/2 – 2/5

c“: 1(offen) – 1/2 – 1/3 – 1/4- 1/5

c“‘: 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/10

dasselbe nochmals in neuer Schreibweise Bezugspunkt ist das große C

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 4- 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1

c‘: 8 – 2 2/3 – 4 – 2 – 1 3/5

c“: 8 (offen) – 4-2 2/3 – 2- 1 3/5

c“‘: 8- 4 – 2 2/3- 2 – 1 3/5

Von Mühlhausen Opus 220 liegen mir leider keine Zusammenstellungen vor. Ich erinnere mich aber an verschiedene andere Mensurblätter, die gelegentlich hier gezeigt werden. Dafür gibt es aber

Opus 253 Habkirchen vom 31.Aug. 1869 (I/12)

Mixtur 2 2/3 – 3fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/6 – 1/8 – 1/10

Opus 254 Groß Engstringen vom 13.9.1869 (I/15)

in diese Zeit fällt der Umstand, dass man vermehrt Aeolinen anstatt Dolcen als schwächste Streicher bei Walcker vorfindet. Hier war die Dolce noch eingeplant, wurde durchgestrichen und durch Aeoline ersetzt.

Mixtur 2 2/3 – 4fach (typische Mixtur von EFW bei kleineren Orgeln, wo wir die landläufige Regel, dass Mixturen auf 1 1/3 oder auf dem 2′ im letzten Ton enden, weil man höher kaum noch stimmen kann, bestätigt finden. Außer bei den kleinen Orgeln, da endet die Mixtur auf der Terz 1 3/5′. Wir werden also bei solchen Mixturen zum Diskant hin eine Abschwächung wahrnehmen) Die konsequente Einhaltung, dass nur auf den c-Tönen repetiert wird, ist für den Stimmer ein Segen, und meines Erachtens auch kaum mit einem schönen Principal 8′ zusammen hörbar.

C: 2 2/3- 2 – 1 3/5- 1

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 1 – 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/2 – 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/4 – 1/5 – 1/6 – 1/8

(gwm) 1.11.08

siehe hierzu auch: http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/

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Spitzgamba 8′ im Hauptwerk (Video03)

Die Spitzgamba im Hauptwerk ist aus mehreren Gründen sehr interessant. Zum Einen haben wir hier die ersten vier Noten mit einer „Spanischen Kröpfung“ (auf einem anderen Blogeintrag genau beschrieben, um was es sich hier handelt). Auch auf dem Kurzfilm erkennbar, dass diese Pfeifen hervorragende offene Pfeifenklänge liefern. Zum Anderen ist diese Spitzgamba ein gewisser Kompromiss zwischen Orgelbewegung und Orgelromantik. Der Klang dieser Pfeifen liegt zwischen Gemshorn und Gambe, der Strich ist etwas zurückhaltend. Das Register entfaltet seine schönste Klangwirkung mit dem Bordun 16′, wo es im Raum eine wunderschöne magische Erzählung aus 1001ner Nacht zu sprechen beginnt. In diesem Video haben wir mit dem Fotomikrofon direkt vor den Pfeifen eine andere Klangwirkung als im Raum mit einem besseren Mikro. Das wir im Laufe der nächsten Tage als MP2-file hier gezeigt.

img_Spitzgambe8.jpg

Das Video „Spitzgambe 8′ im Hauptwerk – Video03“ – 19.Juli 2008/gwm

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Nachthorn 8′ – im Schwellwerk (Video02)

Das Nachthorn 8′ im Schwellwerk der Walcker-Orgel im Atheneum in Bukarest, wurde in den 60er Jahren durch einen Schwiegel 1′(!) ersetzt, was bei dieser Restaurierung wieder rückgängig gemacht wurde. Denn das Nachthron hat nicht nur elementare Grundtönigkeit zu bieten, die bei einer solchen Konzertsaalorgel notwendig ist, sondern hier wird auch eine Funktion wahrgenommen. Das Nachthorn dient hier nämlich als Grund für ein Cornett, das aus Nachthorn 8′, Rohrflöte 4′, Zartquinte 2 2/3′ und Terz 1 3/5′ zusammengestellt werden kann. Also war das Entfernen des Nachthorns, des einzigen labialen 8Fusses auf der unteren Schwellwerklade schon ein gehöriger Fehlgriff. Interessant ist die Bauform dieses changierenden Registers, das als Holzgedeckt beginnt, dann zur Rohrflöte mutiert, um endlich als offene Spitzflöte zu enden.

img_7410_bildgrose-andern.JPG

Um das Register klanglich festzulegen müssen wir noch den Einbau anderer Register abwarten. Hier nun auf diesem Video gibt es einmal ein paar einfache Akkorde um sich ein Klangbild zu machen. Die Tragfähigkeit der großen Holzpfeifen und auch der Rohrflöten kommen bei der Aufnahme zu kurz.

TECHNISCHE DATEN: Nachthorn 8′ im Schwellwerk III.Manual, Winddruck 95mm WS, C-H Holzpfeifen C= 137 x 113mm im Licht (Eiche) c-h‘ Naturguß, Bauform Rohrflöte, c“-a“‘ 75% c=95mm, c’=64mm, c“=37mm, c“‘ 21mm, innerer Durchmesser.

Video mit ca 15MB

gwm 12.Mai.08

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Harmonica aetheria – verschleierte Harmonien, aetherischer Zauber

Aether war bei den Griechen ein Medium oder eine Substanz des Kosmos, der in der Bewegung und Lichtflutung bestimmt wurde. Der Name „Harmonica aetheria“ (auch Harmonia aetheria, aetheris, aetherica etc.) dürfte begrifflich aus dieser romantischen oder auch goetheschen Lichtsymbolik abgeleitet worden sein. Sicher ist, dass dieses Register an die Engmensurierung der Harmonica 8′ anschliesst, das in Lautstärke etwa zwischen Äoline und Salicional anzutreffen war (disponiert von EFW in Frankfurt-Paulskirche, Ulm Münster u.a.). (Harmonica 8′ in Schramberg C=oben 50/42, unten 42/42 also wie Dolce , oberer Durchmesser weiter zur Förderung ungeradzahliger Obertöne Terz und Quinte)

Die Harmonica aetheria 3 fach, 2 2/3′ – 2′ – 1′ im IV.Manual der Walckerorgel in Riga dürfte nach folgender 2′-Mensur aus dem „Mensurenbuch Oscar Walcker“ gebaut worden sein. Bei Sauer gibt es eine Terz und bei Furtwängler & Hammer sogar Septimen in der Zusammensetzung.

harmonika.jpg

An Mixturen bzw. Hilfsstimmen wurden auch während der (Spät)Romantik klar und deutlich folgende Kriterien gestellt:

1. weite Mensur (die Labienweite war auf 1/4 begrenzt, weil sonst durch Stimmen der kleinen Pfeifen schnell Einknickungen erfolgt wären)

2. Der größte Chor auf C nicht größer als 2′

3. keine Terz, am wenigsten in enger Lage (das widerspricht bereits der frühen Romantik Eberhard Fr. Walckers)

4. Beginn möglichst immer mit Oktavchor

Hugo Riemann schreibt in seinem Orgellehrebuch, ideal wären etwa

3fache Mixtur C=c1 g1 c2

4fache Mixtur C=c1 g1 c2 g2 usw.

Und wir sehen, dass die Harmonia aetheria allen diesen „Kriterien“ locker und leicht widerspricht.

Nun muss dazu gesagt werden, dass grundsätzlich alle Mixturen romantischer Orgeln wesentlich schwächer intoniert waren, als wir das heute kennen.

In der Walcker-Orgel in Bukarest, wo zwar eine schön angerichtete und orgelbewegte Disposition vorzufinden ist, hat aber, wie das in der orgelbewegten Zeit sehr oft der Fall war, ein an der Spätromantik geschultes Ohr intoniert, was sehr zurückhaltende Mixturen bewirkt hat. Und heutige Orgelbauer werden zu Recht sagen, „aber damit bekomme ich doch kein richtiges Tutti hin?!“. Dennoch ist das Tutti möglich. Denn das Geheimnis der zarten Aliquoten und Mixturen liegt in den Super-Koppeln begründet, die mit einem Schlag ein frisches Obertongeflecht im Tutti ausbreiten, dass der Orgel Helligkeit und Glanz gibt.

Meine Meinung ist, da ohnehin alle Obertöne des Grundtons mindestens eine Oktave weiter liegen , doch neben der Super-Koppel eine weitere Koppel als Super-Super-Koppel einzubauen, natürlich mit Ausbau der Aliquotstimmen, und damit die Kraft der Helligkeit, wenn gewünscht, weiter auszunutzen. Damit nämlich geben wir der ursprünglichen Intonation die Chance, weiterhin sehr differenziert bestehen bleiben zu können, und dennoch Kraft und Helligkeit an der Orgel realisieren zu können. Einen schönen runden Principal 8′ und darauf als schleierhafte Krone eine Harm.aetheria draufzusetzen, ohne den Principal zu erschrecken, das ist so möglich, selbst ein schwaches Gemshorn kann so die Obertonaufwertung durch eine Harmonica aetheria erfahren und wir haben wieder viel mehr Registriermöglichkeiten als vorher.

Für alle diejenigen, welche sich nicht direkt für Terzen und Quinten in den schwachen Mixturen entscheiden können, empfehle ich, diese Mixturen auf eine eigene Lade zu bauen und dort über Mixturensetzer programmierbar zu gestalten. Diese ist eine andere Idee als das einfache Konzept von Bares, ermöglicht nämlich die Gestaltung von differenzierten Mixturen, die eben durch Zuschalten von Terzen und Quinten unheimlich an Farbe und Kraft gewinnen können. Das kann man machen unter Zuschaltung einfach weiterer Chöre und Pfeifenreihen, oder indem man eben bei C das E als Terz oder das G als Quinte einfach mitspielt. Wir haben hier dann die Verstimmung der Temperatur mit in der Mixtur, was bei der Zuschaltung nur im Tutti aber kein ausgesprochenes Problem wäre.

Eine Harmonica aetheria kann bei solch einer technischen Einrichtung sehr leicht ohne Mixturenmaterial an einem einzigen Register Harmonica 8′ programmiert werden durch C – g – c1 – c2 . Wir haben hier nur die Schwebung der Duodezime. Dieser Mixturensetzer müsste über mindestens 2 Oktaven gehen und wir bräuchten nicht alle Möglichkeiten sondern nur Oktaven, Quinten und Terzen und eventuell Septimen.

Die Mixturen auf eine eigene Windlade zu machen hat in jedem Falle einen Vorteil durch bessere Gestaltung der Windzuführung und natürlich wollen wir bei Zuschaltung von Sub-Koppeln die Möglichkeit erhalten, hiervon die Mixturen auszuschliessen.

(gwm) 3.Mai 08

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Winddruck wasn dat?

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unser neuester Video, der sich mit dem alltäglichsten Stoff des Orgelbauers beschäftigt, dem Wind. Warum nämlich befindet sich an der Stockbohrung exakt der gleiche Winddruck wie im Balg – im Pfeifenfuß aber, wir zeigen das Phänomen hier einmal ganz genau, ist aber immer ein weit verminderter Druck?

winddruck.JPG

Nun darüber sind schon ganze Generationen von Orgelbauer gestolpert – in diesem Video nun wird die sehr lapidare Antwort in mehreren Schritten schön gezeigt. Daneben sieht man die Taschenlade im SW, die Bälge und unser 4-Tasten-Steuergerät mit der wir die ganze Orgel ansteuern können – und etwas Musik, wenig zwar, aber schön: Grandjean spielt Grandjean.

Winddruck – Video 12mB

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Pfeifen…. nichts als Pfeifen – Start zur Serie

Pfeifen, …nichts als Pfeifen.. Enthalten sind eine Pfeife von Andreas Silbermann, ein Nachbau der römischen Aquincumpfeife, eine durchlagende Clarinette von Weigle und andere Feinheiten. Mit diesem Video wollen wir einen Reigen an Videos über Pfeifen der Bukarester Walcker-Orgel einläuten. Die Pfeifen werden per Mund angeblasen und es wird auf ihre Eigenheiten dezidiert eingegangen. Also…., es ist in der Regel daran gedacht interessierten Laien einen Einblick in die Vielfalt der Orgelpfeifen  und ihren Klängen zu geben.(Fachleute mögen sich mit ihrem fundierten Wissen in die vielen anderen vorhandenen Quellen im Internet einklinken..)

Hierzu zunächst einmal einige Bilder. 

Hier die im Video gezeigte Gambe:

img_5721.JPG

ein paar wichtige Intonationswerkzeuge und die kleinste Holzpfeife:

img_5735.JPG

img_5737.JPG     img_5744.JPG  img_5764.JPG 

und hier das komplette Video, der als Einführungsfilm für weitere Videos aus Bukarester Pfeifenwerk gedacht sein will.

Pfeifen, nichts als Pfeifen…. ein erster Video mit allerlei ausgefallenen Pfeifentypen

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Reparatur von Stimmvorrichtungen bei offenen Labialpfeifen

Hier in Bukarest haben wir wie in vielen anderen Orgel in aller Welt auch, ein Hauptproblem damit, dass die Stimmvorrichtungen dieser Labialpfeifen mit Mängeln behaftet sind.

Der „rote Makel „:

red_pipes.JPG

Dazu kommt, dass mit völlig ungeeigneten Mitteln versucht worden ist diese Probleme zu beseitigen. Jetzt also gilt es nicht nur die Stimmvorrichtungen wieder zuzulöten sondern zuvor die Klebereste alter Isolierbänder zu entfernen. Wie so etwas vor sich gehen kann und mit welcher Arbeit man hier konfrontiert wird, dies zeigen wir in dem nachfolgenden rund 5 minütigen Video. Werden diese leicht eingerissenen Stimmvorrichtungen nicht repariert, so hat man klangliche Probleme an der Pfeife und vor allem Stimmungsprobleme, da solche Pfeifen klanglich und in Stimmung unstabil sind.

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Oscar Walckers Klangvorstellungen

In Briefen an den Maler Hugo Körtzinger hat Oscar Walcker sehr offen seine Vorstellungen über Orgelbau, Menschen und Mensuren kund getan. Dieser Schriftwechsel ist noch nicht erschöpft. Wir wollen aber hier einen Einblick in die Klangvorstellungen dieses siebzig Jahre alten Orgelbauers, der alles erlebt hat, was es an Kriegen, Vernichtungen und Wiederaufbauten gab, was man sich nur so denken kann, hier beispielhaft vorstellen. Es sei jetzt auch nur einmal der Anfang gemacht, im Hinblick auf unsere Arbeit in Bukarest (Baujahr 1939) sind diese Ausführungen besonders wertvoll.

Oscar Walcker an Hugo Körtzinger


17.Okt.1938 Ich freue mich, dass Sie sich für das Hautbois 8′ entschieden haben; dieses Register wird besser seinen Zweck erfüllen und hält die Stimmung gut.

Ich möchte vorschlagen, der Rohrflöte 8 die Mensur zu geben:

Rohrflöte 8′

C

130mm Ø

Quintadena 8′

C

98mm

c

91

c

68

c‘

61

c‘

38

c“

36

c“

21

c“‘

21

c“‘

12,5

Prinzipal 4′

1-3fach Mensur nach Klotz

C

100

f an doppelchörig

1 /2 Ton enger

c

58

f ‚an dritte Reihe

1/2 Ton weiter

c‘

33

c“

19

erste Reihe ist

4 tlg labiert

c“‘

12

zweite Reihe ist

2/7 tlg labiert

dritte Reihe ist

2/9 tlg labiert

Nasat

C

66

Terz

C

48

c

41,5

c

29

c‘

26,5

c‘

17

c“

17

c“

9,7

c“‘

11

c“‘

5,5

Oktavbass 8′

C

138

Principal 8′ HW

C

120

c

85

c‘

52

16.Dez. 1938 Das Hautbois, das wir ihnen vorschlagen , hat durchweg konische Becher mit enger Mensur. Der Klang ist ein heller, dünner Trompetenton. Die kurzbechrigen Barockzungen haben eben alle einen gewissen klirrenden, zungenrasselnden Klang. Die Zeichnung, die wir ihnen sandten, weist konische Becher auf, während die alte Oboe bei Ihnen doppelkonische Becher hat.

Was nun die Quintade 8′ anbelangt, so ist für deren Klang, die Mensur der Mittellage entscheidend, wir gaben Ihnen für das kleine c 68 c‘ 38 c“ 21 c“‘ 12,5mm an. Die tiefe Oktave sollte nach dieser Mensur allerdings weiter, als 98 mm sein. Wir haben aber diese tiefe Oktave nach dem C enger mensuriert, weil nicht genügend Platz auf den Windladen zur Unterbringung dieser grossen Mensur vohanden ist. Übringens möge Ihnen folgender Vergleich ein Bild geben:

Mensur Walcker

C

100

c

61

c‘

38

c“

38

c“‘

16

Mensur Jahnn 74

102

67

39

22

13

Mensur Jahnn 10

117

67

38

22

13

Sie sehen also von der Mittellage ausgehend, dass das Ihnen vorgeschlagene Quintatön ziemlich weiter Mensur ist. Sie sehen aber auch, wie verschieden man die Mensuren eines solchen Registers macht.

Sie fragen, warum wir Nasard und Terz enger mensuriert hätten; wir wissen aber nicht, was Sie zum Vergleich heranziehen. Im allgemeinen ist man in neuer Zeit dazu übergegangen die Mensuren der kleinen Register etwas enger zu nehmen, weil die Tongebung eine sicherere ist, der Ton flackert nicht so, als wie bei den weiten Pfeifen.

23.Feb. 1939 Sie schreiben, dass das Pedal wirklich einen eigenen Subbaß und eine Quinte 10 2/3′ bekommen soll, wofür der bisherige transmittierende Subbass allein als Bordun den Tritten überlassen bleibe und die Bassflöte wegfalle. Diese Forderung verstehen wir nicht ganz. Wenn Sie später einen neuen Subbaß 16′ mit weiterer Mensur einbauen, würden wir raten den Quintbass 10 2/3′ als Transm. vom Subb. 16′ zu machen, das geht ohne Weiteres und gibt einen ganz guten grundtönigen 32′.

7.Juli 1939 Es interessiert mich ganz besonders, wie das mehrchörige Prinzipal sich klanglich gestaltet und einfügt. Ich hatte beim Probieren den Eindruck, dass dieses Register etwas hart klingt. vielleicht muss es bei der Intonation etwas zurückgenommen werden.

14.Juni1940 Was die Sonarklarine anbelangt, so kann ich Ihnen mitteilen, dass dieses Register von meinem Freund Trautner, Seminarmusikleher in Kaiserslautern erfunden worden ist. Dieser Mann hat sich ungemein Mühe gegeben den Charakter einer Zungenstimme nachzubilden, ohne dass die Verstimmung der Zungen in Rechnung genommen werden muss. Seine Versuche hat er vielfach hier in unserer Werkstatt gemacht. Und als es ihm schliesslich gelang eine Labialklarinette zu konstruieren und ein Patent darauf zu erhalten, ist er gestorben. Seine Idee war durch die Einengung und Erweiterung der Schwingungsknoten und Schwingungsbäuche im Pfeifenkörper den Klang zu beeinflussen. Ich hab von den seinerzeitigen Versuchen noch eine Pfeife hier, die ich Ihnen wohl am besten zuschicke, damit Sie sehen, wie diese klingt und aussieht. Ich habe seinerzeit von den Erben Trautners aufgefordert, die Fabrikation dieser Register abgelehnt, weil sie in der Intonation ausserordentlich sensibel sind und weil vorauszusehen war, dass doch viele nicht gebaut werden. Dann hat später Laukhuff diese Register weiter gebaut und fertigt sie, soviel ich weiss, heute noch an. Dieses Register hat vielleicht für die solistische Zwecke besondere Eigenarten, wird den Gesamtklang wohl etwas verdicken.

14.Juni 1940 Ich würde von einem überblasenden Prinzipal 4′ abraten, da das Überblasende doch immer etwas Ungesundes ist. Die Helligkeit kann man ja eher durch engere Mensur, als durch Überblasen erhalten.

29.Juli 1940 Was nun das Nachthorn 4′ anbelangt, so würde ich folgende Mensur vorschlagen: C 122,5, c 75, c‘ 35, c“ 26,5, c“‘ 15. Es ist dies eine Mensur von Klotz, die wir schon verschiedentlich gebaut haben und die sich sehr bewährt hat., Die Mensur des Terzbasses 6 2/5′ habe ich konisch vorgeschlagen, weil ja dieses Register nicht besonder in seinem Klang hervortreten soll. Das Prinzipal 2′ wollen wir dann Ihrem Vorschlage entsprechend 2-3fach bauen. Die Seitenbärtchen werden wir besonders anlegen und bei den kleineren das Labium nicht so stark einreissen, Wenn irgend möglich, werden wir diese Register aus Kompositionsmetall machen, es liegen hier bestimmte Anordnungen der Metallüberwachungsstelle vor. Die weitere Entwicklung der Aufstellungsangelegenheit interessiert mit ausserordentlich. Schwarz schrieb mir, dass er sehr gerne an einem derartigen Plan mitarbeiten würde.

03.August 1940 Die Flöte maritima 2′ können wir ohne weiteres die Mensur der Flöte Lüneburg Johannisorgel geben. Was nun die Charaktersitik der einzelnen Stimmen der alten Anlage in Zusammenfassung mit den neuen anbelangt, so glaube ich, wäre es doich zweckmässig, wenn Sie dann seinerzeit, wenn wir an die Ausführung kommen nochmals eingehend Ihre diesbezüglichen Wünsche zu Papier bringen würden.,

(Abschrift gwm)

wird fortgesetzt

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Arbeit an oxidierten Zungen

Bei einigen Orgeln treten besonders bei hoher Luftfeuchte oder Wasserschäden bei Zungen jene berüchtigten „Oxidationen“ auf, die für viele Orgelbauer zu einem großen Problem werden. Insbesondere dann, wenn vorher „Fachleute“ daran gearbeitet haben, welche schon erhebliches Material zerstört haben.

Die Methoden sind recht einfach, wie man mit solchen Zungen umgehen muss.

Die Krücke ist der empfindlichste Teil des unteren Zungenkörpers und sollte vor dem Demontieren überhaupt nicht berührt werden. Das Demontieren der Kehle, des Keils und des Zungeblattes geschieht am einfachsten in dem man von oben in die Nuß einen Hartholzdübel (10 cm lang, Ø 10-20mm) mit größerem Durchmesser als der der Kehle, einführt und der mit einem Hammerschlag die Verbindung zur Nuß löst.

zungenarbeitt.JPG

Nach dem Ausbau der Kehle und des Zungenblattes wendet man sich dieses empfindlichsten Teiles der Zunge zu, der Krücke. Zunächst versucht man die Krücke vorsichtig oben an dem Stimmhaken diese Krücke zu drehen. Nie darf man diesen Versuch am unteren Ende, wo die Krücke bereits durch ihre Biegung eine Schwächung des Materials erfahren hat vornehmen. Hierzu haben wir reichlich gebrochenes Krückenmaterial gesehen, das unfachmännisch auseinander genommen worden ist. Bricht hingegen der Stimmhaken, ist es kein Problem diesen neu zu biegen, dagegen ist eine neue Biegung unten ziemlich aussichtslos, da der Draht dafür viel zu kurz ist.

Nun, nachdem die Krücke sich dreht, wird sie mit Kerzenwachs, das in jeder Kirche zu finden ist, eingerieben, und in kleinen Bewegungen nach unten gezogen. Hat man die Krücke nun ein paar mal so hoch und runter gezogen, die Nuß mit Kerzenwachs eingesalbt und Kehle und Zungen mit feinem Schleifpapier wieder glatt geschliffen, danach alles wieder sorgfältig zusammengebaut, sollte dem Neuerklingen der Zungenpfeife nichts mehr im Wege stehen.

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