Archive for Oktober, 2007

Arbeit an oxidierten Zungen

Sonntag, Oktober 28th, 2007

Bei einigen Orgeln treten besonders bei hoher Luftfeuchte oder Wasserschäden bei Zungen jene berüchtigten „Oxidationen“ auf, die für viele Orgelbauer zu einem großen Problem werden. Insbesondere dann, wenn vorher „Fachleute“ daran gearbeitet haben, welche schon erhebliches Material zerstört haben.

Die Methoden sind recht einfach, wie man mit solchen Zungen umgehen muss.

Die Krücke ist der empfindlichste Teil des unteren Zungenkörpers und sollte vor dem Demontieren überhaupt nicht berührt werden. Das Demontieren der Kehle, des Keils und des Zungeblattes geschieht am einfachsten in dem man von oben in die Nuß einen Hartholzdübel (10 cm lang, Ø 10-20mm) mit größerem Durchmesser als der der Kehle, einführt und der mit einem Hammerschlag die Verbindung zur Nuß löst.

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Nach dem Ausbau der Kehle und des Zungenblattes wendet man sich dieses empfindlichsten Teiles der Zunge zu, der Krücke. Zunächst versucht man die Krücke vorsichtig oben an dem Stimmhaken diese Krücke zu drehen. Nie darf man diesen Versuch am unteren Ende, wo die Krücke bereits durch ihre Biegung eine Schwächung des Materials erfahren hat vornehmen. Hierzu haben wir reichlich gebrochenes Krückenmaterial gesehen, das unfachmännisch auseinander genommen worden ist. Bricht hingegen der Stimmhaken, ist es kein Problem diesen neu zu biegen, dagegen ist eine neue Biegung unten ziemlich aussichtslos, da der Draht dafür viel zu kurz ist.

Nun, nachdem die Krücke sich dreht, wird sie mit Kerzenwachs, das in jeder Kirche zu finden ist, eingerieben, und in kleinen Bewegungen nach unten gezogen. Hat man die Krücke nun ein paar mal so hoch und runter gezogen, die Nuß mit Kerzenwachs eingesalbt und Kehle und Zungen mit feinem Schleifpapier wieder glatt geschliffen, danach alles wieder sorgfältig zusammengebaut, sollte dem Neuerklingen der Zungenpfeife nichts mehr im Wege stehen.

Einige Grundregeln für Zungenregister

Samstag, Oktober 6th, 2007

Bei Walcker gab es ein Blatt, Hinweis für alle Orgelbauer „Einige Grundregeln für Zungenregister“, das unser Altmeister Karl Bauer am 8.8.1982 verfasst hat, das mir wieder einmal in die Hände gefallen ist, und das sicher alle Orgelfreunde für sehr interessant sein dürfte, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

1. Faustregel für die Zungendicke:

8′ C = 50 – c=35 – c’=25 – c“=18 – c“’= 12 (100stel Millimeter)

2. Je höher der Winddruck desto dicker muss die Zunge sein. Bei Erhöhung des Winddrucks um 10mmWS = zu diesen Werten 5% hinzuzuschlagen.

3. Je dicker die Zunge, desto lauter der Zungenton. Je dünner die Zunge desto obertöniger der Klang. Je höher der Aufwurf desto stärker (lauter) der Klang.

4. Belederte Zungen ergeben einen schwächeren Ton. Kommt die Stimmkrücke auf den belederten Teil der Kehle, muss die Zunge durch dickeres Exemplar ersetzt werden, weil das nicht passieren darf, und die Zunge dadurch tiefer wird.

5. Voraussetzungen für einen gesunden Ton sind die richtigen Verhältnisse zwischen Becher und Kehle. Weite Becher erfordern engere Kehlen und umgekehrt. Je enger ein Becher ist, desto kürzer muß er sein und umgekehrt.

6. Becher in 16′ – halbe Länge – entspricht Länge 8′, C, zuzüglich 1/2 Durchmesser des 8′ C. Der Durchmesser des 16′ C, halbe Länge= G 16′ ganze Länge. Also 8/2 enger.

Vox humana einer Oscar Walcker-Orgel aus 1928

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