Archive for Juli, 2009

Dulciana 8′, in Tomintoul, die zarteste Versuchung seit es Walcker gibt

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Die Dulciana 8′ ist wohl eines der typischsten Register der Spätromantik. Zumindest wollen wir von keiner spätromantischen Orgel etwas hören, wenn nicht diese Dulciana. (sorry Mr. Hill)

dulci04.jpg

  • Unheimlich schön ist sie in der Walcker-Orgel in Tomintoul aus 1903, wo dieses Register mit Vox céleste 8′ (ab c und etwas höher gestimmt in Schwebung zur Dulciana) und  einer hauchzarten Flöte 4′ in einem Schwellkasten steht, der mit Knieschweller betätigt wird, was ein fantastisches Erlebnis ist.
  • Für den Orgelstimmer aber ein Problem darstellt, da eine Menge schwerer Bourdonpfeifen erst zur Seite geschleppt werden müssen.
  • Ich schreibe absichtlich in Schwebung zur Dulciana  ist diese fast identisch mensurierte und einen kleinen Kick schwächer intonierte Vox céleste 8′ gestimmt.Weil diese 8-Füsser sich auf der Kegellade so stark anziehen, dass man sie zweimal stimmen muss: einmal mit dem Principal, hier Diapason 8′ und dann nochmal in sich selbst also C-c-c1 etc.. Tut man das nicht, wird man sich wundern, dass nach erfolgter Stimmarbeit immer noch innerhalb der Oktaven Schwebungen zu vernehmen sind.
  • Aus diesem Grund ist die in Schwebung gestimmte Vox céleste nicht immer zwangsläufig in Schwebung zu allen anderen Registern gestimmt.
  • Der Schweller dieser Orgel ist eine großartige Angelegenheit: spielt man nach Principal oder Clarabella eines der drei Registers, so ist es als würde sich ein weit entferntes Fernwerk bemerkbar machen. Ätherischer Schleier, zarteste Andeutungen, und genau diese feinen Stimmen, die kaum für einen derben Bauernchor zum Mitsingen geeignet zu sein scheinen, haben es den Schotten hier angetan: they love their sound.
  • Zu den Mensuren der Dulciana folgender Hinweis: C-H aus dem Bourdon entnommen, c0 auf dem nachfolgenden Blatt 1:1 aufgezeichnet, c=175mm Umfang, 56mm Durchmesser, Rollenbart mit Holzrolle, Stimmschieber ohne Berührung der Enden:

dulci05.jpg

dulci01.jpg  dulci02.jpg  dulci031.jpg

und hier zwei mp3-flies, einmal Dulciana 8′ alleine und einmal mit der Vox céleste

  1. dulciana.mp3
  2. voix_celestdulciana.mp3

gwm (so ganz, ganz langsam ans Heimfliegen denkend…………..) 

Principal, Gamba und Dulciana der Hill-Orgel aus 1875 in Inveraven/Schottland

Donnerstag, Juli 9th, 2009

Zehn Jahre ist es her seitdem diese Orgel ihr letztes Wörtlein gesungen hat.

Nun aber hat das Schweigen ein Ende.

Wir stellen hier in zwangloser Reihenfolge die Register dieser Orgel vor, die  den typisch englischen Charakter offenbaren. Die Disposition dieser Orgel stammt von 1875 von Hill& Son – London,  zwei Register, nämlich Dulciana und Gambe stammen von E.H.Lawton, Aberdeen, was qualitativ nicht an Hill heranreicht, aber interessante Klänge bietet.

Manual C-g“‘

  1. Open Diapason 8′
  2. Stopped Diapason 8′
  3. Dulciana 8′ – wird in dem nachfolgenden Video gezeigt
  4. Gamba 8′ – wird in dem nachfolgenden Video gezeigt
  5. Principal 4′  – wird in dem nachfolgenden Video gezeigt
  6. Waldflute 2′

Pedal C-f’1

  1. Bourdon 16′

couplers Great to Pedal –

Winddruck gesamte Orgel 67,8mmWS

Mensur Principal 4′  C:D69,5mm  Lab54,4   G:  51,4mm  c:44,4mm  g:31,9mm  c1: 26,7

Mensur Gamba 8ft C-g“‘, C-H Holz gemeinsam mit Dulciana, C= 55x63mm, A 31mm, c0=35mm, c1=22,4mm, c2=14,9mm, c3=10mm

Bild der Gamba, wo die feinen Sägezahnkernstiche erkenntlich sind, auch der sehr enge Stimmschlitz

gambe.jpg

Mensur Dulciana 8ft , c=53,8mm, c1=31,4mm, c2= 18,6mm, c3=11,8mm

Gamba und Dulciana stammen von Rushworth & Dreaper aus 1911, eingebaut von Lawton.

Hier das Video aus YouTube:

gwm

Clarabella 8′ in der Walcker-Orgel in Tomintoul

Freitag, Juli 3rd, 2009

Das Register zeichnet sich durch einen durchdringenden Flötenton aus, der aber sehr sympathisch in der Mittellage klingt. Im Bass werden Pfeifen aus dem Bordun entnommen, im Diskant erinnert die Klangfarbe direkt an eine Traversflöte. Intoniert auf 92mm WS ist das Register am Spieltisch eine kleine Idee zu stark, aber im Raum, der heute mit einem Teppichboden ausgelegt ist, klingt es warm und ausgeglichen.

C-H gedeckt aus Bourdun 16

c-h gedeckt eigenes Register  (BREITE c=aussen 57, innen 38mm, TIEFE 68 mm außen, 49 mm innen) Aufschnitthöhe c0=12mm

c1-c4 offen, runde Aufschnitte, Innenlabien, Frosch,  (siehe Foto, wo man den Kreisausschnitt mit d>als Pfeifenbreite erkennen kann)

Bild mit Orientierungskreis:

clara2.jpg

Ansicht des Registers:

clara01.jpg

Video:

gwm 03.07.09