Archive for Mai, 2007

Das „organo di legno“ der Stuttgarter Eberhardskirchenorgel

Dienstag, Mai 29th, 2007

Die Walcker-Orgel Opus 3500 für die Stuttgarter Eberhardskirche (III/47, Bj 1956) war für viele Orgelliebhaber im Stuttgarter Raum die klangschönste Orgel Stuttgarts in den 60er und 70er Jahren, als dort noch richtige Kirchenmusik gemacht wurde. (neben der Rundfunk-und der Stiftskirchenorgel). Das Herausragende war ihr „organo legno“, ein Werk das nur aus Holzpfeifen bestand, darunter eine Holzzimbel, ein Holzprinzipal 2′ – das mit einer Pfeife abschloss, die Walcker wahrscheinlich nie zuvor und danach gebaut hat:

4,7mm x 4,7mm i.L

27mm Länge

und

einem Aufschnitt von 0,7mm !

das letztere ein Vorgabescherz. Wir haben die kompletten Mensuren der 5 Register des organo di legno das J.N.David geplant hat hier für alle die sich diesen Mythos ins Haus holen wollen eingebracht. Auch die Holzzymbel 2fach ist darunter. Dinge, die noch wirkliche Innovationen (ein unschönes Wort) im Orgelbau darstellten. Die Orgel wurde vom Sachverständigen Böhringer 1982 zerstört, weil er bei der Planung von David unberücksichtigt gelassen wurde. Damit hat er sich ein Denkmal gesetzt, ein schön-hässliches. (gwm)

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zur Zungenmensuration

Montag, Mai 21st, 2007

Zur Zungenmensuration – die Zungendicke, Kehlenbreiten

In Wemmetsweiler fiel mir auf, dass die Posaune 16 sehr gut von C-H erklang, rund und volltönend, dann aber nahm auf gleicher Lade Kraft und Klangqualität schlagartig ab.

Die Untersuchung der Kehlen zeigte, dass C-H Nüsse und Kehlen aus Holz gefertigt waren, die Zungen waren nur 0,75mm (C) dick, mensuriert etwa nach dem Mensurenbuch von Oscar Walcker (mittlere Posaune). Ab c fanden wir dann Messingkehlen vor , die Zungen waren dicker, die Kehlen enger, es dürfte auf „enge Posaune“ des Mensurenbuchs hinausgelaufen sein. Alle Kehlen waren mit Leder bestückt.

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Zu den Zungendicken machte der Altmeister des Walckerschen Orgelbaus Karl Ruther im Mensurenbuch eine hochinteressante Notiz vom 14.3.1908, die in mehrfacher Beziehung die Gestaltung von Zungen 16′-8′ beleuchtet.

ruther.JPG Karl Ruther in der Stuttgarter Zeitung

DieZungendicke ist für die Mensuren 4/6 und 8 gleich. Es ist überhapt nicht so difficil mit den Dicken. Als normale Dicke bei Trompete, mit normalen Druck ist mir erinnerlich C= 0,58 c=0,40 c’=0,30 c“=0,20 c“’=0,11. Bei Giesecke-Oboe sind die Zungen ca 10% dünner. Englisch Oboe weiss ich ganz bestimmt auswendig, dass C=0,48 c=0,37 c’=0,28 c“=0,18 c“’=0,10 bei90mmWS.

Zungendicke hat englische Klarinett ca 10% dicker. Pos16 ist die Zungendicke bei 90mmWS C=0,95 c=0,65 c’=0,48. Die weiten Posaunenkehlen verwendete man für grosse Orgeln im allgemeinen über 40 Register. hierzu wurde Schallbecherweite C-Mensur Holz oder Zink genommen. Die mittleren Posaunenkehlen für die mittleren Orgeln 20-40 Register und Schallbecherweite D/Dis oder E-Mensur, je nach der Platzfrage.

Die engen Kehlen als Fortsetzung der Trompete und gewöhnlich für Schallbecher halbe Länge. Man kann bei der Schallbecher-Mensur bei Posaune natürlich bis zur A-mensur gehen und erhält im letzteren Falle eben dann fagottähnlichen 16’Ton. Für Orgeln unter 20 Register.

Es wurde dies einmal gemacht, wenn ich mich recht erinnere für eine Orgel für Südamerika mit ca. 15 Register und war die Wirkung gut. Wenn bei 90mm Winddruck die Dicke der Zunge bei C 4′ 0,40 ist , so ist sie bei 150mm 0,48-0,50, also bei 66 2/3% Winddrucksteigerung = 21 % Zungendickensteigerung.

Posaune 16Posaune 16 Posaune Trompete 8

Under the Sassafras Tree – the World’s Greatest

Dienstag, Mai 15th, 2007

Under the Sassafras Tree – the World’s Greatest

Bei den Amerikaner kann man sicher sein, immer ist irgendwo einer dabei, an die Grenzen der Welt zu stossen und zu rütteln. Das ist durchaus noch ein „abendländisches Prinzip, das des Faust, vorzudringen in die Unendlichkeit „, würde Oscar Spengler uns sagen. Hier an der Orgel für die Riesenhalle in Atlantic City, so beschaulich die Motive waren, man wollte die Kosten für eine permanente Blaskapelle sparen, wurden erhebliche „Entgrenzungen“ vorgenommen, die Oscar Walcker im Angesichte seiner Parteitagsorgel genauso interessiert haben wie Marcel Dupré oder Siegfried Karg-Elert, der in „The American Organist“ einen ausführlichen Artikel über die Orgel schrieb.

Zunächst die Halle ist bereits über alle Maßen „unbegrenzt“: 163m breit, 100 m lang und 46 m hoch. Ein dreizehnstöckiges Haus passt also bequem in das Gebäude hinein. 41.000 Personen fasst die Halle. Darunter befindet sich der Parkplatz, der so bemessen ist, dass bei voller Halle auch alle einen finden.

Die Firmen Midmer-Losh – New York, von der ich einen schönes Prospekt von dieser Orgel habe, und Anc. Merrick NY, haben die Orgel in der Zeit vom Mai 1929 bis Mai 1932 gebaut. (fertig geworden ist diese Orgel nie!)

Die Orgel besitzt insgesamt 32.882 Pfeifen, 14 Schweller, 7 Gebläsemotoren mit ins. 404 PS, und Hochdruckstimmen die max. 100″= rund 2500mmWS besitzen.

Die Windladen sind in 8 Kabinen untergebracht.

Hier auf Aeoline.de wollen wir uns auf ein paar klangliche Aspekte beschränken. Die beginnen mit dem großen Spieltisch. Die Manuale von oben nach unten sind in folgende Werke unterteilt:

  • 7. Bombardenwerk
  • 6. Fanfare
  • 5. Echowerk
  • 4. Solo
  • 3. Swell – 6 Oktaven von G ab
  • 2. Great – 7 Oktaven ab C
  • 1. Choir – 7 Oktaven ab C
  • Pedal C-g‘ = 32

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Oberes zweites Bild zeigt den zweiten, fahrbaren Spieltisch, links steht der Orgelarchitekt Richards, rechts kniet Sieberth Losh. Am Spieltisch Arthur Scott Brook.

Hier beim nächsten Bild also sehen wir H.Vincent Willis die siebenchörige Stentor Mixtur auf 875mm WS stimmen !! Das schafft kaum einer unserer Stimmer bei der Walcker-orgel in Kufstein, wo lächerliche 420mmWS vorherrschen. Heute stimmt das kaum einer ohne Gehörschutz. Ich bin sicher, wenn Vincent heute noch leben würde er wäre taub wie ein Stein.
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Auch diese 32′ Contra Trombone wird mit 875 mm WS betrieben – sie ist rund 35m über dem Hallen Erdboden plaziert.2007-05-15_193635.jpg

Das sind die größten Metallpfeifen in der weltgrößten Orgel. Es sind 32 Fuß Pfeifen an der Wand stehend. An den Holzpfeifen 32′ wird gerade gearbeitet.

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Und als krönenden Abschluß zeigen wir hier die Fanfare organ mit der fanfare Clarion Major, die horizontal aufs Auditorium gerichtet ist. Sie werden mit 1250mm WS betrieben und sind 3fach harmonisiert.

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Das spanische ORLOS

Dienstag, Mai 15th, 2007

Wir haben hier ein Orlos in Trujillo gefunden. Das ist eine Stadt in der Extremadura nahe Guadalupe, aus der große Konquistadores stammen, wie Francisco Pizzaro. Diese Leute haben den Namen der Stadt in ganz Südamerika verbreitet.

Man findet diese Orlos, meist wie hier als 8′, in fast allen großen spanischen Zungenbatterien an unterster Reihe. In dem nachfolgenden Bild ist es die Kaiserorgel Toledos.

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Hier verschiedene Bilder dieses Orlos aus der Orgel in Trujillo :

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Die Becher des Orlos (Spanisches Regal) sind also ähnlich dem Geigenregal geformt, nur oben ausgeweitet. Der Klang kommt in Richtung Cromorne.

Oberer Durchmesser des Bechers C ist etwa 50mm. In der Regel werden offene zylindrische Kehlen verwendet. (siehe hierzu auch unsere Spanische Seiten )

(gwm)

neue Klänge in Aeoline.de

Montag, Mai 14th, 2007

Wir haben heute wichtige neue Klänge in die verschiedenen Untergruppen dort eingefügt. Sie stammen aus der Walcker-Orgel in Wemmetsweiler. Es handelt sich um folgende Register:

  1. Aeoline8_HW.mp3
  2. Cornett_NW.mp3
  3. Dolce_HW.mp3
  4. Gambe_HW.mp3
  5. Gedackt_HW.mp3
  6. Geigenprinc8_NW.mp3
  7. Hohlfloet_HW.mp3
  8. LieblGedakt8_NW.mp3
  9. Octav4_HW.mp3
  10. Princ8_HW.mp3
  11. Rohrfloet4_HW.mp3
  12. Salicion8_NW.mp3
  13. SingGed8_NW.mp3
  14. Traversfloet4_NW.mp3
  15. Trompete8_HW.mp3
  16. Voxcoelest8_NW.mp3

Bitte in den entsprechenden Menues nachsehen, die Linkverwaltung hierher ist leider zu kompliziert.

(gwm)

Mensuren Walckerorgel in Wemmetsweiler Op.1101 Bj 1903

Freitag, Mai 4th, 2007

Diese Orgel ist klanglich ein ganz herausragendes Instrument.

Die Umstellung auf Schleifladen in den 80er Jahren hat zwar der klanglichen Entfaltung geschadet. Dennoch ist diese Orgel von solch überwältigender klanglichen Schönheit, dass man hofft, auch die wenigen Mixtur-Aufhellungen und jene  fehlende Fugara wieder einzusetzen und so langfristig eine Rückführung auf den ursprünglichen Zustand zu machen. Diese neuen Mixturen sind einfach grauenhaft.
Wir haben alle alten Pfeifen genau aufgemessen und mit den Walcker-Listen aus 1908 und anderen Walcker Aufzeichnungen aus dieser Zeit verglichen. Wir haben das Opusbuch noch einmal gedreht und gewendet, um eine wirklich identisch aufgenommene Orgel dieser Zeit mit den gültigen Zahlenwerten dieser wichtigen Mensuren zu haben.

Die Mensuren sind in der nachfolgenden Liste aufgeführt.

Wir haben auch verschiedene Pfeifenmaße mit bekannten Mensuren aus Eberhard Friedrich Walckers Orgeln verglichen. Dabei wurde festgestellt, dass viele grundlegende Baumaße für Gamben, Streicher und Principale, auch Zungen, oft aus Eberhard Friedrich Walckers Schöpfungen stammen und nur geringfügig in einzelnen Maßen abgewichen sind.

Auf lange Sicht haben wir ohnehin vor, diese Mensuren, die von EFW aufgezeichnet sind und in unserem Archiv vorliegen, in konkreten Fällen in Tabellen umzuschreiben, wie das hier nun bei Wemmetsweiler der Fall ist, damit man diese Klänge wieder hörbar machen kann. Das alleine ist das Ziel.

wemmetsweiler-mensur.pdf