Archive for November, 2008

Mixturen in der Spätromantik

Montag, November 3rd, 2008

Hier haben wir ein mustergültiges Instrument, das ich in einem anderen Blog mit der Walzeneinstellung schon vorgestellt habe: die 1915 für Rotterdam gebaute Walcker-Orgel, Opus 1855. Sie steht heute in Doesburg NL mit III/75. Ob allerdings diese Mixturen, wie ursprünglich geplant und gebaut, heute noch in der Orgel sind, ist fraglich. Wer solch ein Instrument plant wird überrascht sein, wie einfach und klar diese Konzeptionen sind.

Die Bezeichnung „Silbermann“ bei Walcker, hat Markus Zepf festgestellt, könnte aus restaurierten Orgeln stammen, die nicht von (Andreas) Silbermann sind, sondern von den Restauratoren am beginnenden 19.JH. .

Ich vermute, dass der normale Widdruck bei 90-95mmWS lag. Sicher ist der Winddruck bei den Zungen im I. und II. Manual bei 110mmWS, was im Arbeitsbuch vermerkt ist.

I.Manual Cornett 8′, Mensur Silbermann

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

I.Manual Mixtur 2′, 5fach

C: 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3 – 1/2

c: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 2/3

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3

c“‘: 8 – 8 – 4 – 2 2/3 – 2

II.Manual Cornettino 4′, 3-4fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

cs“‘ – 8 – usw

II.Manual Großmixtur 4′, 5-7fach (wurde später geändert)

C: 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1 – 1/2

c: 4 – 2 2/3 – 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5 (so ist das richtig, unten verdickt das nur)

c“: 8 – 4 – 2 2/3 – 2 – 1 3/5

III.Manual Cymbel 2′, 3-4fach, Silbermann Mensur

C: 2 – 1 1/3 – 1

c: 2 – 1 1/3 – 1

c‘: 4 – 2 2/3 – 2

IV.Manual Glockenton 3-4fach, Mens. Silbermann

C: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c‘: 1 1/3 – 1 1/7 – 1 – 1/2

c“‘: 2 2/3 – 2 2/7 – 2 – (1 ?)

Es gibt noch eine Pedalmixtur, wo ich die Zusammensetzung nicht gefunden habe.

(gwm) 3.11.08

Mixturen und ihre Zusammenstellungen ab 1864

Samstag, November 1st, 2008

Wie wichtig diese Zusammenstellungen für einen runden Tuttiklang sind, haben wir jetzt erst wieder erleben können an unserer Orgel in Bukarest, wo die Mixtur im SW auf 2′ beginnt und weit runder und weicher ins Tutti tritt als die anderen Mischungen, die höher liegen.

Nun beginnen wir einfach mal mit einer Orgel, die um „Mühlhausen Op 220“ angesiedelt ist, und die Albert Schweitzer als eine der klangschönsten Instrumente bezeichnet hat, die ihn zum Orgelspiel hinführte.

OPUS 216 Tettnang eingetragen 24.2.1864 (II/24)

Mixtur 5 fach verbunden mit Quint (das heisst die Quinte 2 2/3 kann separat gespielt werden. Wenn die Mixtur gezogen wird, ist die Quint aber immer dabei.)

Hier nun in der Schreibweise von Eberhard Friedrich Walcker, bezogen auf den Repetitionspunkt, also das aktuelle c

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5 – 1/2

c‘: 2 – 2/3 – 1 – 1/2 – 2/5

c“: 1(offen) – 1/2 – 1/3 – 1/4- 1/5

c“‘: 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/10

dasselbe nochmals in neuer Schreibweise Bezugspunkt ist das große C

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1 (gedeckt) – 1 (offen )

c: 4- 2 2/3 – 2 – 1 3/5 – 1

c‘: 8 – 2 2/3 – 4 – 2 – 1 3/5

c“: 8 (offen) – 4-2 2/3 – 2- 1 3/5

c“‘: 8- 4 – 2 2/3- 2 – 1 3/5

Von Mühlhausen Opus 220 liegen mir leider keine Zusammenstellungen vor. Ich erinnere mich aber an verschiedene andere Mensurblätter, die gelegentlich hier gezeigt werden. Dafür gibt es aber

Opus 253 Habkirchen vom 31.Aug. 1869 (I/12)

Mixtur 2 2/3 – 3fach

C: 2 2/3 – 2 – 1 3/5

c: 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/6 – 1/8 – 1/10

Opus 254 Groß Engstringen vom 13.9.1869 (I/15)

in diese Zeit fällt der Umstand, dass man vermehrt Aeolinen anstatt Dolcen als schwächste Streicher bei Walcker vorfindet. Hier war die Dolce noch eingeplant, wurde durchgestrichen und durch Aeoline ersetzt.

Mixtur 2 2/3 – 4fach (typische Mixtur von EFW bei kleineren Orgeln, wo wir die landläufige Regel, dass Mixturen auf 1 1/3 oder auf dem 2′ im letzten Ton enden, weil man höher kaum noch stimmen kann, bestätigt finden. Außer bei den kleinen Orgeln, da endet die Mixtur auf der Terz 1 3/5′. Wir werden also bei solchen Mixturen zum Diskant hin eine Abschwächung wahrnehmen) Die konsequente Einhaltung, dass nur auf den c-Tönen repetiert wird, ist für den Stimmer ein Segen, und meines Erachtens auch kaum mit einem schönen Principal 8′ zusammen hörbar.

C: 2 2/3- 2 – 1 3/5- 1

c: 2 – 1 1/3 – 1 – 4/5

c‘: 1 – 2/3 – 1/2 – 2/5

c“: 1/2 – 1/3 – 1/4 – 1/5

c“‘: 1/4 – 1/5 – 1/6 – 1/8

(gwm) 1.11.08

siehe hierzu auch: http://blog.walckerorgel.de/2008/10/11/mixturen-in-bukarest-1/