Archive for Dezember, 2007

Oscar Walckers Klangvorstellungen

Dienstag, Dezember 4th, 2007

In Briefen an den Maler Hugo Körtzinger hat Oscar Walcker sehr offen seine Vorstellungen über Orgelbau, Menschen und Mensuren kund getan. Dieser Schriftwechsel ist noch nicht erschöpft. Wir wollen aber hier einen Einblick in die Klangvorstellungen dieses siebzig Jahre alten Orgelbauers, der alles erlebt hat, was es an Kriegen, Vernichtungen und Wiederaufbauten gab, was man sich nur so denken kann, hier beispielhaft vorstellen. Es sei jetzt auch nur einmal der Anfang gemacht, im Hinblick auf unsere Arbeit in Bukarest (Baujahr 1939) sind diese Ausführungen besonders wertvoll.

Oscar Walcker an Hugo Körtzinger


17.Okt.1938 Ich freue mich, dass Sie sich für das Hautbois 8′ entschieden haben; dieses Register wird besser seinen Zweck erfüllen und hält die Stimmung gut.

Ich möchte vorschlagen, der Rohrflöte 8 die Mensur zu geben:

Rohrflöte 8′

C

130mm Ø

Quintadena 8′

C

98mm

c

91

c

68

c‘

61

c‘

38

c“

36

c“

21

c“‘

21

c“‘

12,5

Prinzipal 4′

1-3fach Mensur nach Klotz

C

100

f an doppelchörig

1 /2 Ton enger

c

58

f ‚an dritte Reihe

1/2 Ton weiter

c‘

33

c“

19

erste Reihe ist

4 tlg labiert

c“‘

12

zweite Reihe ist

2/7 tlg labiert

dritte Reihe ist

2/9 tlg labiert

Nasat

C

66

Terz

C

48

c

41,5

c

29

c‘

26,5

c‘

17

c“

17

c“

9,7

c“‘

11

c“‘

5,5

Oktavbass 8′

C

138

Principal 8′ HW

C

120

c

85

c‘

52

16.Dez. 1938 Das Hautbois, das wir ihnen vorschlagen , hat durchweg konische Becher mit enger Mensur. Der Klang ist ein heller, dünner Trompetenton. Die kurzbechrigen Barockzungen haben eben alle einen gewissen klirrenden, zungenrasselnden Klang. Die Zeichnung, die wir ihnen sandten, weist konische Becher auf, während die alte Oboe bei Ihnen doppelkonische Becher hat.

Was nun die Quintade 8′ anbelangt, so ist für deren Klang, die Mensur der Mittellage entscheidend, wir gaben Ihnen für das kleine c 68 c‘ 38 c“ 21 c“‘ 12,5mm an. Die tiefe Oktave sollte nach dieser Mensur allerdings weiter, als 98 mm sein. Wir haben aber diese tiefe Oktave nach dem C enger mensuriert, weil nicht genügend Platz auf den Windladen zur Unterbringung dieser grossen Mensur vohanden ist. Übringens möge Ihnen folgender Vergleich ein Bild geben:

Mensur Walcker

C

100

c

61

c‘

38

c“

38

c“‘

16

Mensur Jahnn 74

102

67

39

22

13

Mensur Jahnn 10

117

67

38

22

13

Sie sehen also von der Mittellage ausgehend, dass das Ihnen vorgeschlagene Quintatön ziemlich weiter Mensur ist. Sie sehen aber auch, wie verschieden man die Mensuren eines solchen Registers macht.

Sie fragen, warum wir Nasard und Terz enger mensuriert hätten; wir wissen aber nicht, was Sie zum Vergleich heranziehen. Im allgemeinen ist man in neuer Zeit dazu übergegangen die Mensuren der kleinen Register etwas enger zu nehmen, weil die Tongebung eine sicherere ist, der Ton flackert nicht so, als wie bei den weiten Pfeifen.

23.Feb. 1939 Sie schreiben, dass das Pedal wirklich einen eigenen Subbaß und eine Quinte 10 2/3′ bekommen soll, wofür der bisherige transmittierende Subbass allein als Bordun den Tritten überlassen bleibe und die Bassflöte wegfalle. Diese Forderung verstehen wir nicht ganz. Wenn Sie später einen neuen Subbaß 16′ mit weiterer Mensur einbauen, würden wir raten den Quintbass 10 2/3′ als Transm. vom Subb. 16′ zu machen, das geht ohne Weiteres und gibt einen ganz guten grundtönigen 32′.

7.Juli 1939 Es interessiert mich ganz besonders, wie das mehrchörige Prinzipal sich klanglich gestaltet und einfügt. Ich hatte beim Probieren den Eindruck, dass dieses Register etwas hart klingt. vielleicht muss es bei der Intonation etwas zurückgenommen werden.

14.Juni1940 Was die Sonarklarine anbelangt, so kann ich Ihnen mitteilen, dass dieses Register von meinem Freund Trautner, Seminarmusikleher in Kaiserslautern erfunden worden ist. Dieser Mann hat sich ungemein Mühe gegeben den Charakter einer Zungenstimme nachzubilden, ohne dass die Verstimmung der Zungen in Rechnung genommen werden muss. Seine Versuche hat er vielfach hier in unserer Werkstatt gemacht. Und als es ihm schliesslich gelang eine Labialklarinette zu konstruieren und ein Patent darauf zu erhalten, ist er gestorben. Seine Idee war durch die Einengung und Erweiterung der Schwingungsknoten und Schwingungsbäuche im Pfeifenkörper den Klang zu beeinflussen. Ich hab von den seinerzeitigen Versuchen noch eine Pfeife hier, die ich Ihnen wohl am besten zuschicke, damit Sie sehen, wie diese klingt und aussieht. Ich habe seinerzeit von den Erben Trautners aufgefordert, die Fabrikation dieser Register abgelehnt, weil sie in der Intonation ausserordentlich sensibel sind und weil vorauszusehen war, dass doch viele nicht gebaut werden. Dann hat später Laukhuff diese Register weiter gebaut und fertigt sie, soviel ich weiss, heute noch an. Dieses Register hat vielleicht für die solistische Zwecke besondere Eigenarten, wird den Gesamtklang wohl etwas verdicken.

14.Juni 1940 Ich würde von einem überblasenden Prinzipal 4′ abraten, da das Überblasende doch immer etwas Ungesundes ist. Die Helligkeit kann man ja eher durch engere Mensur, als durch Überblasen erhalten.

29.Juli 1940 Was nun das Nachthorn 4′ anbelangt, so würde ich folgende Mensur vorschlagen: C 122,5, c 75, c‘ 35, c“ 26,5, c“‘ 15. Es ist dies eine Mensur von Klotz, die wir schon verschiedentlich gebaut haben und die sich sehr bewährt hat., Die Mensur des Terzbasses 6 2/5′ habe ich konisch vorgeschlagen, weil ja dieses Register nicht besonder in seinem Klang hervortreten soll. Das Prinzipal 2′ wollen wir dann Ihrem Vorschlage entsprechend 2-3fach bauen. Die Seitenbärtchen werden wir besonders anlegen und bei den kleineren das Labium nicht so stark einreissen, Wenn irgend möglich, werden wir diese Register aus Kompositionsmetall machen, es liegen hier bestimmte Anordnungen der Metallüberwachungsstelle vor. Die weitere Entwicklung der Aufstellungsangelegenheit interessiert mit ausserordentlich. Schwarz schrieb mir, dass er sehr gerne an einem derartigen Plan mitarbeiten würde.

03.August 1940 Die Flöte maritima 2′ können wir ohne weiteres die Mensur der Flöte Lüneburg Johannisorgel geben. Was nun die Charaktersitik der einzelnen Stimmen der alten Anlage in Zusammenfassung mit den neuen anbelangt, so glaube ich, wäre es doich zweckmässig, wenn Sie dann seinerzeit, wenn wir an die Ausführung kommen nochmals eingehend Ihre diesbezüglichen Wünsche zu Papier bringen würden.,

(Abschrift gwm)

wird fortgesetzt